16. Dezember 2011

Last Christmas



Letzte Weihnachten hab ich dir mein Herz geschenkt, doch am nächsten Tag hast du es einfach weggeworfen – in die Biotonne.

Könnte dir dieses Jahr meine Milz, meine Leber oder eine Niere schenken, aber solche Geschenke sind mir inzwischen zu persönlich. Lieber schenke ich dir eine Handtasche. Wenn du die wegwirfst, muss ich wenigstens nicht wieder in die Transplantationsklinik, um mir ein Ersatzorgan einpflanzen zu lassen.

Doch du wirst die Handtasche nicht wegwerfen, weil sie ist von Prada und für exklusive Labels warst du schon immer empfänglich. Auf meinem Herzen letztes Jahr stand lediglich „Tom“; das war dir wohl nicht edel genug.

Letzte Weihnachten hast du mir deine gerade ausgebauten Po-Implantate geschenkt, die du dir hast ausbauen lassen, weil du dachtest, ein Po wie J-Lo wäre nicht mehr en vogue.

Dieses Jahr versuchst du, für mich auf eBay einen Satz abgeschnittener Fußnägel von George Michael zu ersteigern. Laut Produktbeschreibung können die Fußnägel singen und auch zu Ostern „Last Christmas“ intonieren. „Last Easter“ fände ich zu Ostern passender.

Und warum überhaupt „Last“? – „Last Christmas“! „Last Easter“! – Warum nicht „This Christmas“? „This Easter“? – Wer lebt denn schon gern in der Vergangenheit! Der Schnee vom letzten Weihnachtsfest ist doch Schnee von gestern! Von vorgestern! Von vor 365 Tagen! Oder von vor 366 Tagen, falls es ein Schaltjahr ist.

Wieso heißt ein Schaltjahr eigentlich Schaltjahr? Und was macht George Michael alle vier Jahr an einem 29. Februar? – Fußnägel schneiden?

Wie üblich werden wir Weihnachten in den übervölkerten Räumen eines Swingerclubs verbringen. Wir stopfen uns möglichst viel in unsere Körperöffnungen und nennen das Spiel „Weihnachtsgans“.

Und spätestens, wenn du anfängst, mit dem Weihnachtsbaum zu ficken, weiß ich, dass du dich langweilst, und wir fahren zu Tante Lisbeth. Und spätestens, wenn ich anfange, Tante Lisbeths Rauhaardackel einen runterzuholen, weißt du, dass ich mich langweile, und wir fahren nach Hause.

Und Weihnachten ist vorbei.

8. August 2011

Wie ich einmal eine kluge TV-Moderatorin war



„Boah, hatte ich gerade voll den Bierschiss!“ sagt der Indiepopsänger, als er von der Toilette kommt. Ich, die kluge TV-Moderatorin, lächele und schaue auf meine Interviewfragen.
„Kennst du das:“, fährt der Sänger fort, „Du hast die Nacht vorher durchgesoffen und am nächsten Morgen kommt so’n Sprühschiss aus deinem Anus?“
Ich denke daran, dass ich noch Sprühsahne kaufen will auf dem Heimweg, und ich erinnere mich an den Gitarristen, der letzte Woche bei mir im Bad ein Tampon ausgehöhlt hat, um sich damit eine Line reinzuziehen!

Die BILD-Zeitung bezeichnete mich jüngst als Groupie der Nation; ein Groupie, das von MTV dafür bezahlt wird, dass es mit Rockstars ins Bett geht.

An dieser Stelle kam dem Autor dieses Textes die Idee, das Geschlecht der Hauptprotagonistin zu verändern. So bin ich nun keine kluge TV-Moderatorin mehr, sondern ein kluger TV-Moderator. Der Wechsel liest sich wie folgt:

Die BILD-Zeitung bezeichnete mich jüngst als Rockerficker der Nation; ein Rockerficker ist ein Mann, der von MTV dafür bezahlt wird, dass er mit Rockstars die Bettlaken durchrockt.
Inzwischen aber bin ich eigentlich auf Rapper umgestiegen, weil die Rockstars mir entweder das Klo zugepisst haben oder wahlweise auch mein Poloch mit dem Klo verwechselten.
Die Lyrics eines Rappers mögen oft nicht reinlich sein, aber die Jungs verhalten sich ansonsten tendenziell hygienischer. Zu hygienisch vielleicht. Rapper sind grundsätzlich ganzkörperrasiert und riechen wie eine Douglas-Filiale.
Der Indiepopsänger hingegen müffelt ungewaschen, was mich durchaus ein bisschen… [erregt].

Ich schlage dem Indie vor, nach dem Interview in eine Sauna zu gehen. „Ne, da werd ich nicht heiß drin“, meint er. „Drumherum alles heiß, aber in meinem Schwanz Eiszeit.“ Stattdessen schlägt er vor, es bei KIK unterm Wühltisch zu treiben.
Eine Verkäuferin erwischt uns dabei und früher hätte sie wohl ihrer Kollegin zugerufen: „Gertrud, ruf mal die Sitte an!“ Doch heute ruft sie: „Gertrud, gib mal dein iPhone!“ Fotos gemacht und ins Netz gestellt.
Das Internet ist die Sittenpolizei unserer Zeit. Basisdemokratisch diskutieren dort nun massenhaft Leute, inwieweit es moralisch verwerflich von uns war, unter einem Wühltisch zu pimpern.

Ich beschließe, nach Podelzig im Landkreis Märkisch-Oderland zu ziehen. Auf so einem Dorf zerreißen sich nach wie vor höchstens ein paar Nachbarn über einen das Maul.
Und statt Interviews für MTV zu führen, moderiere ich jetzt im RBB eine Gartensendung. In der ersten Folge habe ich lediglich mit Hobbygärtnern im Rentenalter zu tun, allerdings in Folge 2 berichte ich über die kommende Landesgartenschau in Prenzlau. Und ich interviewe einen Nachwuchsgärtner, der im Privaten gern Gras anbaut. Davon rauchen wir, als er mich in Podelzig besucht. Und ich werde so breit, dass ich durchs Dorf laufe und rufe: „Ich bin Poldi, der Drache von Podelzig, und ich will dir fressen! Und ficken!“

Ursprünglich sollte hier der Text enden, jedoch habe ich den Autor um ein zumindest vorläufiges Happy End gebeten. So darf ich noch einen Zahnarzt heiraten und endlich Sätze sagen wie: „Ich als Zahnarztgatte empfehle Ihnen, mit dem Taxi zu fahren anstatt mit der U-Bahn.“

1. April 2011

Schule der Liebe



Als Schüler musste ich durch die Leiden des jungen Werthers und später, bei meiner ersten Anstellung, lernte ich die Leiden eines jungen Lehrers kennen.

Die Schülerin, die sich in mich verliebte, hieß Jasmin. Als ich eine Klassenarbeit korrigierte, fand ich in ihrem Heft einen Brief an mich. Die nächsten Briefe fand ich entweder in meiner Manteltasche, dem Klassenbuch oder am Gepäckträger meines Fahrrades.

Ich wollte Jasmin die Unannehmlichkeit eines direkten Gesprächs mit mir ersparen und bat ihre Mutter zu mir. Die Mutter versprach, mit Jasmin zu reden, und zum Abschied kniff sie mich in den Po. Und anstatt Briefe von Jasmin zu erhalten, erhielt ich von nun an Geschenke von ihrer Mutter: erst einen selbstgebackenen Kuchen, dann eine Krawatte, eine Flasche Cognac, Karten fürs Kino, Karten fürs Theater, …

Um die Energien der Mutter von mir abzulenken, plante ich zwischen ihr und Jasmin eine Krise. Die Tochter sollte erfahren, dass auch ihre Mutter in mich verliebt war. Und so schrieb ich in der Pause heimlich an die Tafel: Jasmins Mutter steht auf Herr Mars.

Und tatsächlich: Die Geschenke hörten auf. Unschöner Nebeneffekt: Jasmin wurde zum Mobbingopfer von Sabrina, der Oberbitch der Klasse. Um die beiden Mädchen zu neutralisieren, schrieb ich an die Tafel: Und Sabrinas Mutter fickt mit Justin Bieber.

Endlich war Ruhe eingekehrt. Dachte ich…

… bis nach der Stunde der schüchterne Mirko zu mir kam, rumdruckste und dann fragte, ob ich seinen Onkel kennen lernen will.

Ich antwortete ihm zweierlei: „A) Hab gerade keinen Bedarf. B) Ich weiß, wie dein Onkel aussieht.“


Mein Mitbewohner schaut mir über die Schulter und liest, was ich gerade geschrieben habe. „Du wirkst irgendwie überheblich in dem Text“, meint er. „Tom, du inszenierst dich als ein Objekt der Begierde, das jedoch selbst gar keine Begierden hat und alle abblitzen lässt.“

Ich habe keine Begierden? – Ich schreibe die Geschichte um. Und jetzt begehre ich:

Ich begehre eine minderjährige Schülerin und schreibe ihr Briefe über Briefe. Ach, was, Briefe! Bloß Briefe? Romane schreibe ich ihr.

Und weil es mir nicht reicht, nur die Schülerin zu begehren, begehre ich ihre Mudder gleich mit! Erst schenke ich der eine Flasche Prosecco, dann Netzstrümpfe, BHs, das teuerste Parfum, das ich bei Douglas kaufen kann, Karten fürs Musical, Karten für Robbie Williams, …

Und nach dem Unterricht nehme ich den schüchternen Mirko beiseite und sag ihm: „Eye, wenn du mir ein Date mit deinem Onkel klarmachst, kriegst du ein Eis!“

24. Februar 2011

Vergänglichkeit

Einst lief einer, wo ich jetzt lauf, läuft bald ein anderer.

23. Januar 2011

Kulturaustausch

Kulturaustausch ist, wenn ein Topmodel – anstatt auf der Fashion Week – versehentlich bei der Grünen Woche landet. Und im Gegenzug die thüringische Wurstkönigin die neue Chanel-Kollektion präsentiert.

6. Januar 2011

Mein Bauch gehört mir



Nach dem Duschen stehe ich vorm Spiegel und trockne mich ab und registriere, dass mein Bauch gewachsen ist. Bilde mir ein, dass ich schwanger bin. Klappt aber nicht lange, weil ich mich daran erinnere, dass nur Frauen schwanger werden können.

Melde mich trotzdem bei der Schwangerschaftsgymnastik an. Was für Frauenbäuche gut ist, kann doch für Männerbäuche nicht schlecht sein. Die Kursleiterin meint, dass ich wohl zu viel Beck’s trinke. Ich meine: Lieber zu viel Beck’s rein als das, was rauskommt, Justin zu nennen.

Nach der Gymnastik trinke ich ein Bier und frage mich, warum auf Bierflaschen nicht solche Warnungen stehen wie auf Zigarettenschachteln. „Bier verursacht dicken Bauch!“ könnte auf den Flaschen stehen.

Nach der dritten Flasche muss ich los, um einen Poetry Clip zu drehen. Das Drehbuch verlangt, dass ich nur mit einem Schlüpfer bekleidet performe. Angesichts meiner Wampe schlägt der Regisseur vor, mit einem Body Double zu arbeiten. Am Computer würde dann mein Kopf auf den Körper eines Models gesetzt und alle denken, ich sähe toll aus.

Und es sähe auch niemand wie behaart ich bin. Alpha-Bär nennt mich der Regisseur.

Ich habe die Schnauze voll von diesem Regisseur und drehe mit einem anderen Regisseur einen Porno mit dem Titel: Petting mit Meister Petz. Untertitel: Wichs mir auf den Pelz, aber mach mich nicht feucht.