8. August 2011

Wie ich einmal eine kluge TV-Moderatorin war



„Boah, hatte ich gerade voll den Bierschiss!“ sagt der Indiepopsänger, als er von der Toilette kommt. Ich, die kluge TV-Moderatorin, lächele und schaue auf meine Interviewfragen.
„Kennst du das:“, fährt der Sänger fort, „Du hast die Nacht vorher durchgesoffen und am nächsten Morgen kommt so’n Sprühschiss aus deinem Anus?“
Ich denke daran, dass ich noch Sprühsahne kaufen will auf dem Heimweg, und ich erinnere mich an den Gitarristen, der letzte Woche bei mir im Bad ein Tampon ausgehöhlt hat, um sich damit eine Line reinzuziehen!

Die BILD-Zeitung bezeichnete mich jüngst als Groupie der Nation; ein Groupie, das von MTV dafür bezahlt wird, dass es mit Rockstars ins Bett geht.

An dieser Stelle kam dem Autor dieses Textes die Idee, das Geschlecht der Hauptprotagonistin zu verändern. So bin ich nun keine kluge TV-Moderatorin mehr, sondern ein kluger TV-Moderator. Der Wechsel liest sich wie folgt:

Die BILD-Zeitung bezeichnete mich jüngst als Rockerficker der Nation; ein Rockerficker ist ein Mann, der von MTV dafür bezahlt wird, dass er mit Rockstars die Bettlaken durchrockt.
Inzwischen aber bin ich eigentlich auf Rapper umgestiegen, weil die Rockstars mir entweder das Klo zugepisst haben oder wahlweise auch mein Poloch mit dem Klo verwechselten.
Die Lyrics eines Rappers mögen oft nicht reinlich sein, aber die Jungs verhalten sich ansonsten tendenziell hygienischer. Zu hygienisch vielleicht. Rapper sind grundsätzlich ganzkörperrasiert und riechen wie eine Douglas-Filiale.
Der Indiepopsänger hingegen müffelt ungewaschen, was mich durchaus ein bisschen… [erregt].

Ich schlage dem Indie vor, nach dem Interview in eine Sauna zu gehen. „Ne, da werd ich nicht heiß drin“, meint er. „Drumherum alles heiß, aber in meinem Schwanz Eiszeit.“ Stattdessen schlägt er vor, es bei KIK unterm Wühltisch zu treiben.
Eine Verkäuferin erwischt uns dabei und früher hätte sie wohl ihrer Kollegin zugerufen: „Gertrud, ruf mal die Sitte an!“ Doch heute ruft sie: „Gertrud, gib mal dein iPhone!“ Fotos gemacht und ins Netz gestellt.
Das Internet ist die Sittenpolizei unserer Zeit. Basisdemokratisch diskutieren dort nun massenhaft Leute, inwieweit es moralisch verwerflich von uns war, unter einem Wühltisch zu pimpern.

Ich beschließe, nach Podelzig im Landkreis Märkisch-Oderland zu ziehen. Auf so einem Dorf zerreißen sich nach wie vor höchstens ein paar Nachbarn über einen das Maul.
Und statt Interviews für MTV zu führen, moderiere ich jetzt im RBB eine Gartensendung. In der ersten Folge habe ich lediglich mit Hobbygärtnern im Rentenalter zu tun, allerdings in Folge 2 berichte ich über die kommende Landesgartenschau in Prenzlau. Und ich interviewe einen Nachwuchsgärtner, der im Privaten gern Gras anbaut. Davon rauchen wir, als er mich in Podelzig besucht. Und ich werde so breit, dass ich durchs Dorf laufe und rufe: „Ich bin Poldi, der Drache von Podelzig, und ich will dir fressen! Und ficken!“

Ursprünglich sollte hier der Text enden, jedoch habe ich den Autor um ein zumindest vorläufiges Happy End gebeten. So darf ich noch einen Zahnarzt heiraten und endlich Sätze sagen wie: „Ich als Zahnarztgatte empfehle Ihnen, mit dem Taxi zu fahren anstatt mit der U-Bahn.“