3. Dezember 2012

Unsere Väter

Hakans Vater erklärt meinem Vater: „Wenn unsere Söhne miteinander Sex haben, übernimmt mein Sohn selbstverständlich den aktiven Part. Und wer fickt, ist auch nicht schwul! Nur der, der gefickt wird, ist eine Schwuchtel.“

Daraufhin mein Vater: „Wollen Sie damit etwa sagen, mein Sohn hielte Ihrem Sohn sein Arschloch hin? Das kann überhaupt nicht sein! Mein Sohn hat in seiner Kindheit Fußball gespielt. Und ein Fußballer lässt sich nicht ficken!“

„Fußballer? Dass ich nicht lache! Ihr Sohn, die verweichlichte Rosette, nimmt an Dichterwettbewerben teil!“

„Und Ihr Sohn zwingt meinen Sohn dazu, sich den Eurovision Song Contest anzugucken!“

Hakan schiebt unsere Väter aus der Wohnung und empfiehlt: „Kühlt euch ab und kommt erst wieder, wenn ihr euch geeinigt habt, welcher von euren Söhnen denn nun welchen fickt.“

Nach drei Stunden kehren unsere Väter als dicke Kumpels zurück. Sie hätten mit Hilfe von Hakans Vaters Handy ganz viel Online-Recherche betrieben, erzählt mein Vater. „Und wisst ihr was“, sagt er, „wenn ihr beiden Jungs euch verpartnert und dann einer von euch stirbt, dann ist der andere berechtigt und verpflichtet, für die Bestattung des verstorbenen Lebenspartners zu sorgen.“

19. November 2012

Aktiv im Alter



Meine Mutter hat sich ein E-Bike gekauft. Ein E-Bike könnte von Weitem für ein gewöhnliches Fahrrad gehalten werden. Der Betrachter soll denken: „Ach, die ältere Dame ist aber noch fit, wenn sie so zügig den Hang hinaufradeln kann.“

Ein Fahrrad allein reicht vielen Senioren aber nicht aus, um Sportlichkeit zu demonstrieren. Sie wollen sich auch sportiv kleiden. Die Zahl alter Männer in engen Radlerhosen steigt stetig an. Und immer wieder sehe ich Outdoorjacken! Zum Supermarkt um die Ecke zu gehen, gilt für manchen Jack Wolfskin schon als Outdoortrip. Und für den Sonntagsspaziergang wird sich gerüstet wie für eine Polarexpedition!

Wer im Alter nicht gern Rad fährt, kann es mit Nordic Walking probieren. Eine Gruppe fideler Stöcker-Hildegards trifft sich z. B. immer dienstags im Volkspark Friedrichshain. Und donnerstags trainiert in meinem Schwimmbad ein Seniorenwasserballteam namens „The Inkontinentals“.

Und im Fitnessstudio meines Mitbewohners wird neuerdings Katasana angeboten, ein physiodynamischer Gesundheitssport. Katasana klingt ähnlich wie Catsan, das Katzenstreu. Bei Katasana wird vermutlich vorher Catsan auf den Boden gestreut, für den Fall, dass eine Kursteilnehmerin sich beim Turnen urinierend verhält.

Während für meine nicht mehr ganz so fitte Tante Anneliese eine Pflege-unterstützende Haushilfe aus Osteuropa engagiert wurde, macht meine Mutter weiterhin auf aktiv im Alter und lebt nach dem Grundsatz: „Noch bin ich ohne eine Polin nicht verloren.“

29. Oktober 2012

Bügeleisen



Meine Mutter fordert, dass ich sie am Wochenende besuche, aber dann heiratet bereits Hakans Cousine.

„Was hast du denn damit zu tun, wenn Hakans Cousine heiratet?“ wundert sich meine Mutter. „Die Türken stehen doch nicht so auf Homos!“

Ich entgegne, dass Hakans Cousine Dilek bis zu ihrer Geschlechtsangleichung Murat hieß und ihre Braut eine vollbusige schwedische Blondine sei.

„Nichtsdestotrotz kannst du da aber nicht mit ungebügeltem Hemd hingehen“, ermahnt mich meine Mutter. Und zwei Tage später erhalte ich von ihr ein Paket mit einem weißen Hemd und einem Bügeleisen drin.

Das weiße Hemd wasche ich zusammen mit meiner neuen roten Jogginghose, wonach mir das Hemd farblich schon viel besser gefällt. Aber was soll ich mit dem Bügeleisen?

Ein Bügeleisen benötige ich genauso wenig wie den Fön, den mir meine Mutter schon geschenkt hat. Und es hat eine Weile gedauert bis ich den Fön dennoch in meinen Alltag integrieren konnte. Inzwischen nehme ich ihn, um zum Backen die Butter schneller weich zu bekommen.

Und ausgelöst dadurch, dass die 3-jährige Tochter einer Freundin ihre Wachsmalstifte bei mir vergessen hat, beginne ich, auch mit dem Bügeleisen zu experimentieren. Ich stelle das Eisen an, schmiere ein wenig Wachsmalfarbe drauf und male nun in Minutenschnelle Landschaften. Mal in den Bergen, mal in der Tiefebene gelegen. Oder am Meer. Oder Mondlandschaften. Und als Hochzeitsgeschenk für Dilek und ihre schwedische Blondine erschaffe ich ein Triptychon: Auf das mittlere Bild modelliere ich die Silhouette von Berlin und links bzw. rechts davon lasse ich Stockholm und Istanbul entstehen.

Nach kurzer Zeit nur finde ich Bügeleisen so dermaßen toll, dass ich mir ein zweites zulege: ein Reisebügeleisen. Für einen Campingtrip durch England. Wenn ich morgens aus dem Zelt krieche und Hunger auf ein Full English Breakfast verspüre, stecke ich im Waschraum das Bügeleisen in eine Steckdose. Ein bisschen Öl zum Brutzeln bringen, dann ein paar Streifen Speck draufgelegt und noch welche von diesen kleinen Würstchen. Und zuletzt ein Ei drauf braten.

Und wer es jetzt eher vegetarisch mag, dem sei gesagt: Tofu kann das Bügeleisen auch!

22. Oktober 2012

Jobsuche

Guten Tag, ich suche einen Job. Nicht unbedingt für immer, aber immerhin für die nächste Zeit.

Ich kann Texte verfassen – fiktionaler und non-fiktionaler Natur. Ich kann Kurzprosa und Gedichte schreiben, satirische Texte und Kommentare, auch Pressetexte, Werbetexte, Reportagen, Berichte und Anleitungen wie sich mensch zu Hause eine Dauerwelle selbst legt oder wie sich ein Kleiderschrank aufbauen lässt. Und ganz besonders gern würde ich für nach Mitarbeitern suchende Arbeitgeber Jobanzeigen entwerfen. Häufig, wenn ich mir Jobangebote durchlese, verstehe ich gar nicht, was los ist.

Ein Beispiel aus einem Berliner Stadtmagazin:

„Suchen engagierte, zuverlässige Mitarbeiterin im Baubüro der Firma Schwedenplatte aus Berlin-Weißensee.“

Da frage ich mich doch: Für welche Tätigkeit genau wird denn da eine Mitarbeiterin gesucht? Und vor allem: Was ist eine Schwedenplatte? – Ein schwedischer Plattenbau? Oder eine schwedische Wurstplatte? Oder eine Schallplatte mit schwedischer Musik? – Weil es sich laut Anzeige um ein Baubüro handelt, tippe ich auf Plattenbau. Benötigt die Mitarbeiterin also fundierte Kenntnisse der DDR-Architektur? Soll sie Baupläne zeichnen oder einfach nur hübsch aussehen? Oder schwedisch sprechen können? Oder auf schwedisch stenografieren können? Oder schwedische Gardinen an die Fenster des Plattenbaus hängen?

Ich erwäge, eine Agentur aufzumachen, die solchen Leuten gescheite Jobanzeigen schreibt.

Ansonsten bin ich gern für Moderationsjobs zu haben, nicht nur für Moderationen von Poetry Slams und Lesebühnen, sondern ich kann auch die alljährliche Preisverleihung bei der Rassekaninchenshow in Gummersbach präsentieren oder die Weihnachtsfeier des Seniorenstifts Waldfrieden in Bad Liebenwerda.

Ich preise auch gern Produkte an und habe kein Problem damit, vor laufender Kamera stundenlang Dünnschiss zu reden. Anders ausgedrückt: Ich bin der perfekte Moderator für 9Live. „Ja, warum ruft denn noch keiner an? Das ist doch heute wirklich nicht so schwer herauszufinden, um welches Kunstwerk es sich bei unserem heutigen Gewinnspiel handelt. Ja, das kann doch nicht sein, dass da keiner anruft. Schauen Sie doch noch einmal ganz genau hin und greifen dann zum Hörer! Ich sitze hier und warte auf Ihren Anruf. Ja, warum ruft denn noch keiner an? Das kann doch nicht sein!“

Ebenfalls lasse ich mich für Nacktfotoshootings buchen, für Coffee Table Books mit Fotos von stark behaarten Männer drin, allerdings nur für den asiatischen Markt. Wer mich hier in der Heimat begutachten möchte, soll sich in einem Berliner Schwimmbad auf die Lauer legen.

Womit wir beim Thema Sport wären: Ich gehe viermal die Woche schwimmen, habe aber trotzdem eine Wampe. Des Weiteren lege ich meine Wege meist per Rad zurück, was sowohl zu strammen Waden als auch zu guten Ortskenntnissen in der Bundesländern Berlin und Brandenburg geführt hat.

Seit 2005 arbeite ich als Stadtführer und freue mich darauf, bald auch Sie durch die Stadt führen zu können.

Zudem bin ich selbsternannter Experte für Seifenopern aus den 80ern. Und ich kann Ihre Party beschallen mit einem DJ-Set aus den Genres Schlager und Eurovision Song Contest.

Kann sowohl in deutscher wie auch in englischer Sprache sprechen, schreiben und lesen. Und für potentielle Arbeitgeber aus dem norddeutschen Raum möchte ich anfügen, dass ich im Bezug auf die plattdeutsche Sprache immerhin ein gutes Leseverständnis aufweise.

Aus Sicherheitsgründen möchte ich nur in Ländern arbeiten, in denen Homosexualität legalisiert ist. Bloß weil ich ein paar Schichten lang in einer Rumproduktionsfirma auf Jamaika jobbe und in der Pause mit einem Kollegen anbändele, möchte ich nicht gleich gefoltert und zu zehn Jahren Haft oder Zwangsarbeit verurteilt werden.

Abschließend möchte ich mich an Sportbekleidung herstellende Firmen wenden: Liebe Sportbekleidungshersteller, liebend gern würde ich Ihnen als Markenbotschafter für Jogginghosen zur Verfügung stehen, um somit den Absatz an Jogginghosen auch bei Kunden mit höherem Bildungsniveau rapide anzukurbeln.

Sollten Sie einen Job für mich haben, kontaktieren Sie mich unter tom.mars[at]gmx.de oder rufen Sie an: 0178-7156107.

15. Oktober 2012

Die Partygirls vom Prenzlauer Berg

Ein Artikel, der im Jahr 2015 in einem Berliner Stadtmagazin erscheinen wird.



Auch die Kinder vom Prenzlauer Berg entwickeln sich unweigerlich zu Teenagern. Ihr Bruder geht gerade mal in die 3. Klasse, doch Belinda steht bereits kurz vor ihrem 16. Geburtstag. Jeden Freitag holt ihre Mutter sie aus der Lüneburger Heide ab, wo Belinda seit letztem Schuljahr auf ein Internat geht.

„Meine Eltern sind der Ansicht, dass meine Talente auf einer normalen Schule nicht ausreichend gefördert werden“, erzählt Belinda, als ich sie am späten Freitagnachmittag in einem Café im Bötzowviertel treffe.

Als ich frage, was denn ihre Talente seien, kramt sie eine CD aus ihrer Handtasche. Es handelt sich um das Debütalbum einer Punkband, dessen Sängerin Belinda ist. Die CD ist bei einem kleinen Label erschienen, dass von Schülern eines Prenzlauer Berger Gymnasiums betrieben wird. Die Band nennt sich „Die gentrifizierten Fotzen“.

Belinda räumt ein, dass ihre Eltern weder den Bandnamen kennen geschweige denn überhaupt von der Existenz der Band wissen. Ihre Eltern würden sich furchtbar aufregen, sagt Belinda, wenn sie erführen, dass all der Klavier- und Geigenunterricht, den sie ihrer Tochter haben angedeihen lassen, keine dauerhaften Früchte getragen habe.

Die Tür öffnet sich und Belindas beste Freundin Elouise tritt ein. Elouise kommt gerade vom Japanischunterricht. „Es kann sein, dass meine Familie bald für ein Jahr nach Tokio zieht“, erklärt Elouise. Aber eigentlich habe sie auf Tokio gar keine Lust, weil sie sich nicht vorstellen kann, dass ihr Leben in Tokio genauso spannend wäre wie in Berlin.

Belinda wird heute bei Elouise übernachten, weil Elouises Eltern übers Wochenende nach Barcelona geflogen sind. Davon dass Elouise sturmfrei hat, wissen Belindas Eltern allerdings nichts und davon dass die beiden Mädchen eine Party planen – davon wissen weder die einen noch die anderen Eltern etwas.

„Ich glaub, unsere Eltern können sich höchstens vorstellen, dass wir eine Pyjamaparty machen“, kichert Elouise und lästert im Anschluss über ihre Mutter: „Meine Mutter ist eine vertrocknete Kaktusblüte, die in Böblingen aufgewachsen ist. Dort hat ihr nie jemand beigebracht, was es bedeutet, richtig Spaß zu haben.“

Die Mädchen werden von zwei Jungs aus Belindas Band abgeholt, die sich bereit erklärt haben, beim Getränke schleppen zu helfen. Elouise meint, ich solle doch gegen Mitternacht vorbeikommen, dann sei die Party in vollem Gange.

Doch als ich um Mitternacht die angegebene Adresse erreiche, stehen die Jugendlichen bereits vor der Haustür. Die Polizei wäre schon zweimal da gewesen, berichtet Belinda, weswegen sie jetzt lieber abhauen und in einen Club fahren. Vor uns hält ein erstes Taxi, bald darauf noch eins und noch eins und noch weitere und Wagen für Wagen leert sich der Bürgersteig.

Das Ziel ist eine illegale Location im Keller eines Plattenbaus nahe der Storkower Straße. Die Decke ist niedrig, die Luft stickig, die Musik elektronisch. Ich höre unterschiedliche Sprachen um mich herum und Elouise sagt, dass heute Abend viele Austauschschüler hier seien. Aufgrund von Fremdsprachenunterricht von frühester Kindheit an haben Belinda und Elouise keine Schwierigkeiten, mit den Austauschschülern anzubandeln. Belinda flirtet mit einem Italiener und Elouise verschwindet mit einem Brasilianer nach draußen.

Nach etwa einer Stunde kehrt Elouise allein zurück und meint, der Brasilianer habe noch woandershin gewollt. Und alsbald unterhält sie sich mit dem englischen Cousin einer Mitschülerin, der übers Wochenende zu Besuch in Berlin ist.

Während der Engländer an der Bar neue Getränke ordert, tuschelt Elouise mir zu, dass sie sich als überdurchschnittlich an sexuellen Kontakten interessiert empfindet. „Laut meiner Lebensberaterin kommt das vermutlich daher, dass meine Mutter mich solange gestillt hat bis ich auch wirklich den allerletzten Tropfen Milch aus ihr rausgesaugt hatte.“

Um drei Uhr verlassen Belinda und Elouise den Club. Während sich Belinda mit einer Gruppe von italienischen Austauschschülern noch in eine Bar nach Friedrichshain aufmacht, fährt Elouise mit dem Engländer zu sich nach Hause.

Sie habe sich in den Engländer verliebt, schwärmt Elouise, als ich sie ein paar Tage später zufällig an einer Tram-Haltestelle wiedersehe. Sie erwägt nun, ein Schuljahr in England zu verbringen. „Auf jeden Fall ist England cooler als Tokio!“ findet Elouise. Außerdem ginge Belinda vielleicht auch demnächst für ein Jahr nach England. Nachdem Belindas Eltern inzwischen von den musikalischen Aktivitäten ihrer Tochter erfahren haben, möchten sie sie gern ins Ausland schicken. Und ich muss Elouise zustimmen, dass Belindas Eltern „echt bescheuert“ sind, denn wer schickt schon eine Punksängerin, um sie vom Punk kurieren zu wollen, ausgerechnet nach England!

17. September 2012

Outback Pride

Du bist vielleicht schon zum CSD nach Berlin, Hamburg, München oder Köln gereist. Aber stell dir vor, du würdest stattdessen nach Altötting, Oberammergau, Hoyerswerda und Cloppenburg fahren, um dich über die dortige Lebenssituation von Homosexuellen zu informieren und ihre Lage verbessern zu wollen.

Dieser Artikel handelt von Daniel Witthaus, 36, der im Jahr 2010 die große Stadt hinter sich ließ und sich in einem auf den Namen Bruce getauften Geländewagen ins Hinterland aufmachte. Allerdings nicht in Deutschland, sondern in Australien. Für 38 Wochen verabschiedete sich Daniel von Melbourne und begab sich an Orte, die Namen tragen wie Mount Isa, Broken Hill, Alice Springs oder Broome. Seine Mutter war überzeugt, dass ihrem Sohn Schaden zugefügt werden würde, und wollte nicht, dass er fährt.


Ich treffe ihn unversehrt während eines halbjährigen Aufenthalts in Berlin, wo er gerade ein Buch über seine Tour schreibt. „Ich bin in Berlin viel entspannter und kann produktiver arbeiten als in Australien, wo ich eher ein Workaholic bin.“

Das erste Mal besuchte er Deutschland im Jahr 2001, dann erneut 2005 und seitdem kam er mit Ausnahme von 2010 jedes Jahr her. Beim ersten Aufenthalt fuhr er auch an die Ostsee nach Eckernförde, wo sein Vater geboren wurde, die Stadt aber als 4-Jähriger gen Australien verließ. „Ich wollte sehen, wo mein Vater aufgewachsen ist“, erzählt Daniel, „aber ich fand heraus, dass das Haus abgerissen wurde und sich dort nun der Parkplatz eines Baumarkts befindet.“

Als er von Mitte 2006 bis Mitte 2007 beinahe ein ganzes Jahr in Berlin verbrachte, verfasste er sein erstes Buch Beyond ‘That’s So Gay’. Das ist so schwul – dieser negativ konnotierte Ausspruch gehört zu den am häufigsten gebrauchten Sätzen an Schulen, nicht nur in Australien, sondern auch anderswo in der Welt. In dem Buch verarbeitete Daniel seine bis dato bereits zehn Jahre umfassenden Erfahrungen mit der Arbeit an Sekundarschulen. Um die Haltung der Schüler gegenüber Lesben und Schwulen spürbar zu verändern, reiche es bereits aus, sich für das Thema sechs Wochen lang jeweils eine Stunde Unterrichtszeit zu nehmen.

“Viele Leute glauben, in meinem Programm ginge es im Wesentlichen um sechs Wochen Analsexunterricht und wenn sie merken, dass dem nicht so ist, lassen sie mich in ihre Schule.“

Einen solchen Satz sagte Daniel auch im Fernsehen und schrieb damit TV-Geschichte als derjenige, der als Erster im australischen Fernsehen den Begriff anal sex benutzte. Bei seiner Arbeit steht nicht Sexualaufklärung im Vordergrund, sondern der Fokus ist gerichtet auf die Bekämpfung von Homophobie und die Verbesserung der Lebensqualität von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender.

Wann er zum ersten Mal in seinem Leben etwas Homophobes um ihn herum wahrgenommen habe, möchte ich wissen. Und Daniel sagt, dass sein Vater stets feindselig reagierte, wenn Sänger wie Prince und Michael Jackson im Radio zu hören waren. „Ich wusste nicht wirklich, warum er sie so sehr hasste, aber als ich älter wurde, hab ich realisiert, was es war.“ Interessanterweise wurde ein Künstler von Daniels Vater niemals mit schwulenfeindlichen Äußerungen bedacht: Elton John.

Aufgewachsen ist Daniel in Geelong, einer Hafenstadt im Bundesstaat Victoria. In Geelong leitete er eine schwul-lesbische Jugendgruppe und die Berichte über den Schulalltag fielen unterm Strich allesamt negativ aus. „Nach einer Weile fand ich einfach, dass es nicht ausreicht zu sagen: Ich hoffe, dass du in der nächsten Woche nicht schikaniert wirst oder dass dich die Lehrer unterstützen. Ich war es überdrüssig, die Schüler in solche Situationen zurückzuschicken. So entschied ich, mit Schulen zusammenzuarbeiten. Ich habe niemals geglaubt, dass ich großen Erfolg haben würde. Es bedurfte vieler kleiner Schritte und wie es scheint, hat es funktioniert.“

Als er 22 Jahre alt war, erklärte ihm sein damaliger Freund, dass er Schluss macht, wenn Daniel ihm nicht nach Melbourne folgt. Daniel verlegte seinen Wohnsitz in die zweitgrößte Stadt Australiens und Melbourne ist seine Basis geblieben, auch wenn die Beziehung seinerzeit bald vorbei war.

Auf seiner Tour durch die abgelegenen Winkel des australischen Kontinents hörte Daniel in vielen Gesprächen, dass Schwule und Lesben vor allem deshalb ihren angestammten Ort verlassen, weil sie im Outback nicht sie selbst sein können bzw. keine Chance sehen, einen Partner oder eine Partnerin zu finden. Andererseits gibt es Menschen, die von der Stadt dorthin zurückkehren, wo sie geboren und aufgewachsen sind, weil sie ihre Familie und ihre Freunde und die vertraute Umgebung vermisst haben. Von den homosexuellen Menschen, die Daniel auf seiner Reise traf, ging es denjenigen am besten, die sich für ihre Gemeinde engagierten. Engagement würde gewürdigt und die Tatsache, dass jemand schwul oder lesbisch ist, spiele dabei eine untergeordnete Rolle. „Aber wenn du als Schwuler oder Lesbe nichts zur Gemeinschaft beiträgst und unbeliebt bist, dann hast du ein Problem.“

Ist die Bevölkerung im Outback homophober als in Melbourne oder Sydney? – „In einer Stadt sind die Leute zurückhaltender, was ihre Homophobie anbelangt. Auf dem Land sind sie unverhohlener, was nicht bedeutet, dass sie homophober sind. Ich denke, Stadt und Land haben in puncto Homophobie mehr gemeinsam als wahrgenommen wird.“

Pro Tourstopp plante Daniel eine Woche ein. Für gewöhnlich kam er am Montag an und sein erster Weg führte ihn in der Regel zu McDonalds, weil die Fastfood-Kette meist die einzige Möglichkeit bot, wireless ins Internet gehen zu können. Dort googelte er nach Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäusern, Polizeistationen und Beratungsstellen und dann begann er die Institutionen abzutelefonieren, um sich mit den Verantwortlichen für ein Gespräch von 15 bis 20 Minuten Dauer zu verabreden. Auch im hintersten Australien geben sich die Leute gern beschäftigt und haben keine Zeit. Für ein Zusammentreffen, das nicht länger als eine Tasse Tee dauern soll, ist ein Großteil jedoch bereit.

„Ich wusste, dass ich länger als 15 oder 20 Minuten brauchen würde, aber wenn du einmal anfängst mit Leuten zu reden, wird ihr Interesse geweckt, und mit den meisten habe ich für 60 bis 90 Minuten gesprochen.“

Am schwierigsten war es, die jeweils ersten Gesprächspartner von einem Treffen zu überzeugen. Daniel räumt ein, dass er die Montage gehasst hat. „Die Menschen um mich herum denken, ich wäre extrovertiert, aber eigentlich bin ich eine sehr schüchterne, introvertierte Person. Und montags musste ich komplett fremde Menschen anrufen und sie bitten, eine Tasse Tee mit mir zu trinken.“ Hatte er jedoch einmal einen Fuß in der Tür, wurden ihm weitere Personen empfohlen und vorgestellt.

Pro Woche kam Daniel auf 15 bis 20 Personen, die er zum Tee traf. In 38 Wochen macht das… „Mehrere hundert Tassen“, überschlage ich und erlöse uns vom Kopfrechnen.

Um abzuschalten und sich zu entspannen, spielt Daniel so oft er kann Tennis. Und beim Thema Tennis tut sich eine weitere Verbindung zu Deutschland auf: Als Heranwachsender war er besessen von Steffi Graf. Nach einem Interview in Melbourne im Jahr 1994 ging sie in die Menge und nachdem sie ein Poster für ihn signiert hatte, wurde sie von dem damals 17-jährigen Daniel gefragt, ob sie ihn heiraten wolle. „Sie wurde rot und hat mir bis jetzt nicht geantwortet, weswegen ich denke, dass ich noch immer eine Chance hab…“

In absehbarer Zeit wird Daniel voraussichtlich nicht so schnell wieder nach Deutschland kommen, weil er für die nächsten drei bis fünf Jahre damit beschäftigt sein wird, eine Einrichtung namens National Institute of Challenging Homophobia Education (N.I.C.H.E.) aufzubauen. „Momentan sind in Australien die Kräfte auf die Gleichstellung der Ehe ausgerichtet. Aber selbst wenn wir dieses Ziel in ein oder zwei Jahren erreichen, wird von der Homophobie noch etwas übrig sein.“

Der Schlüssel liegt im Gespräch. „Ich kann zigmal durchs Land fahren, aber ohne dass die Bevölkerung beginnt miteinander zu reden, wird sich nichts ändern.“ Auch wenn sie Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender unterstützen möchten, wissen Daniels Beobachtungen nach viele Menschen nicht, wie sie dies in ihrem Alltag umsetzen können. Hier möchte er Abhilfe schaffen und den Leuten etwas in die Hand geben.

„Der beste Weg, um Homophobie zu bekämpfen, ist, wenn sich eine nahe stehende Person outet und ein greifbares Beispiel darstellt. Je öfter dies im Alltagsleben geschieht, desto weniger braucht es jemanden wie mich.“

Das Ziel des Aktivisten ist es also, sich durch seine Arbeit überflüssig zu machen!


Mehr über Daniel Witthaus unter: www.thatssogay.com.au

6. September 2012

31. August 2012

Verkehrsgünstig gelegene Toilette



Gut, wenn das Ziel leicht zu erreichen ist!

Ehem. Kinderkrankenhaus Weißensee, Hansastraße

20. Juli 2012

Praliné Türkiyé

Aus Freude darüber, dass ihr Sohn einen solch netten Boyfriend wie mich gefunden hat, hat uns Hakans Mutter einen Gutschein geschenkt. Einen Gutschein für einen Pralinenselbstmachkurs in der Confiserie Mélanie. – Confiserie Mélanie! Confiserie Mélanie hört sich genauso bekloppt an wie „Dileks Dreck weg“ – die Reinigungsfirma von Hakans Cousine.

Der Pralinenkurs entwickelt sich besser als gedacht, denn wir haben die Möglichkeit, auch Pralinen mit Alkohol drin herzustellen. Erlesene Liköre und Schnäpse tröpfeln die übrigen Teilnehmer in ihre windschiefen Pralinen. Ich hingegen trinke die Liköre und die Schnäpse pur und vernachlässige die Pralinen.

Kennen gelernt habe ich Hakan in einem Nähkurs im Nähinstitut Linkle. Und analog dazu, dass ich im Pralinenkurs keine Praline hingekriegt hab, hab ich im Nähkurs die anvisierte Sommerhose nicht fertig gestellt. Und anstatt Alkohol zu konsumieren, hab ich im Nähkurs am Nähmaschinenöl geschnüffelt.

Ich bin ein an Rauschmitteln interessierter Versager. Und Hakan ist ein Deutscher mit türkischem Familienhintergrund, der noch nie in der Türkei war und findet, dass die Türkei in der EU nichts zu suchen hat.

Hakan ist wie Angela Merkel. Angela Merkel sagt: „Privilegierte Partnerschaft: ja. Beitritt zur EU: nein!“ – Hakan sagt: „Privilegierte Partnerschaft: ja. Wir beide zusammenziehen: nein!“

Ich fühle mich gekränkt. Und drohe Hakan mit meinen großen Brüdern, falls er nicht mit mir zusammenzieht.

Ich könne nicht mal glaubhaft mit meiner Mudda drohen, gibt Hakan zurück. Das letzte Mal, dass wir meine Mutter sahen, war sie im Fernsehen – in einer Dokumentation über Eltern schwuler Kinder. Meine Mutter hat sich auf ihrer Terrasse filmen lassen und gesagt: „Uch, ich war schon sehr schockiert, als mein Sohn mir mitgeteilt hat, dass sein Partner ebenfalls homosexuell veranlagt ist.“

Tja… Ich sende meiner Mutter ein Päckchen mit jenen Pralinen drin, die Hakan in der Confiserie Mélanie gefertigt hat – auf dass die alte Kuh noch mehr gemästet wird als sie sich eh schon selbst mästet!

18. Juni 2012

Endlich...

Es ist doch noch was aus mir geworden: Ich hab jetzt meinen eigenen Puff!


9. Juni 2012

Unser Mudder trägt keinen BH

„Was machst du da?“ fragt meine Schwester.
„Ich suche einen Text aus“, antworte ich. Bald habe ich einen Auftritt im Fernsehen und ich weiß noch nicht, was ich da vorlesen soll.
Meine Schwester findet, dass der Text an und für sich egal ist. Ich solle mehr Wert auf mein Outfit legen. Wenn die Verpackung stimme, sei der Inhalt zweitrangig.

„Ich jedenfalls würde einen Push-up-BH tragen“, sagt meine Schwester. Um ihre weiblichen Rundungen herauszustellen.
Diesen Tipp finde ich wenig hilfreich. „Ich habe aber doch gar keine weiblichen Rundungen“, entgegne ich.
„Dann knöpf halt dein Hemd zwei Knöpfe weiter auf als du es sonst tust“, empfiehlt meine Schwester. Und weil sie eine ungeduldige Person ist, knöpft sie mein Hemd weiter auf, ehe ich dies tun kann. Mit einer Rundbürste frisiert sie meine Brustbehaarung und ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden. „So kannst du im Fernsehen auftreten, Tom!“ meint sie und gibt mir einen Klaps auf den Po.

Meine Schwester geht und eine Stunde später ruft mich unsere Mutter an. „Junge, zieh auf gar keinen Fall einen BH an, wenn du im Fernsehen auftrittst!“ zetert sie.
„Ich hab noch nie einen BH angezogen“, sage ich.
„Hast du doch!“
„Hab ich nicht.“
„Hast du doch! Gerkens Änne hat dich in Berlin in einer Travestieshow auftreten sehen.“
„Hat sie nicht.“
„Hat sie doch!“

Es raschelt im Hörer und mein Vater ist dran: „Junge, deine Mutter hat in ihrem ganzen Leben noch keinen BH getragen und ich finde sie noch immer so knackig wie an dem Tag, an dem ich sie kennen gelernt hab.“
„Und gerade eben haben wir noch miteinander gefickt!“ höre ich meine Mutter im Hintergrund jauchzen.
Mein Vater erzählt, dass sie bis Sonntagabend im Bootshaus sind. Ob ich nicht auch vorbeikommen möchte.

Niemals besuche ich meine Eltern im Bootshaus. Das Bootshaus befindet sich in einer Kolonie von Bootshäusern an einem See in Mecklenburg-Vorpommern. Und es handelt sich weltweit um die einzige Bootshauskolonie, die ausschließlich von Nudisten bevölkert ist.

Mein Vater ist enttäuscht, dass ich sie nicht besuchen will. „Wie kann ein Vater wie ich einer bin nur einen solch prüden Sohn produziert haben!“ jammert er.
„Papa“, erwidere ich, „der geilste Inhalt ist nichts wert ohne eine ansprechende Verpackung.“
Für meine Eltern hingegen ist eine Verpackung nichts als eine Verschwendung von Zeit und Ressourcen, weswegen ich meine Geburtstags- und Weihnachtsgeschenke seit jeher einfach so auf den Tisch gestellt bekomme – ohne Geschenkpapier und ohne Schleife dran. Und als ich ihnen gesteckt hab, dass ich schwul bin, haben sie mir eine Jahreskarte für eine Sauna geschenkt.

Bald nach dem Gespräch mit meinem Vater kommt mein Freund zum Abendessen vorbei. Als ich ihm die Wohnungstür öffne, ist er bereits nackt – seine Klamotten hat er unter den Arm geklemmt, seine Schuhe hält er in der Hand.
Mein Vater habe ihn angerufen und ihm geraten, sich mir gegenüber häufiger nackig zu präsentieren. „Dein Vater hält dich für einen Spießer“, sagt mein Freund.

Außerdem habe ihn mein Vater angefleht, mir auszureden, mit einem BH im Fernsehen auftreten zu wollen.
„Ich hatte nie vor, im BH im Fernsehen aufzutreten!“ ereifere ich mich. „Aber soeben hab ich meine Ansicht geändert. Dann trete ich halt im BH im Fernsehen auf! Dann werden wir ja sehen, wer hier der Spießer ist!“

Und zuletzt hat mein Vater meinen Freund gebeten, mich subtil darauf hinzuweisen, dass mein Erzeuger morgen seinen 60. Geburtstag erlebt und es schön fände, wenn seine Kinder inklusive Anhang im Bootshaus aufkreuzen würden.

„Ich denke, ich werde meinem Vater zum Geburtstag einen selbst gehäkelten Öko-BH aus unbehandelter Schafswolle schenken.“

13. Mai 2012

Schlagersängerin und Bollerwagen

Was ist der größte Unterschied zwischen einem homo- und einem heterosexuellen Mann fortgeschrittenen Alters? – Der heterosexuelle Mann betrinkt sich am Vatertag mit Bier, das er im Bollerwagen hinter sich herzieht, während der schwule Mann sich vor einer Schöneberger Homokneipe betrinkt, wo ein Straßenfest stattfindet, auf dem seine Lieblingsschlagersängerin auftritt.

Während mein Mitbewohner also mit einem Bollerwagen durch den Mauerpark schwankt, wanke ich im Takt der Lieder meiner Lieblingsschlagersängerin. Und ich sinniere darüber, wie oft ich die Schallplatten dieser Frau damals zu Mauerzeiten in den Osten bringen musste, um den Jungs dort eine Freude zu bereiten.

Als Teenager hatte ich grundsätzlich nur Affären im Osten. Ich fand es romantisch, dass jeder Abschied ein Abschied für immer sein konnte. Einen Jungen habe ich gar so sehr geliebt, dass ich ihm am Ende des Abends meine Levi’s 501 geschenkt habe. Und anstatt mir im Austausch dafür von ihm eine Osthose geben zu lassen, bin ich trunken vor Liebe und Alkohol in Unterhose zur Grenze zurückgegangen.

Erst am nächsten Morgen wurde ich nach langem Verhör endlich wieder in den Westen gelassen und durfte von da an nicht mehr in den Osten einreisen. Dabei hatte ich doch noch so viele Pläne, die ich in Ostberlin verwirklichen wollte! Einen Puff wollte ich dort aufmachen und den Nutten und Strichern solvente Kundschaft aus dem Westen zuführen.

Diese Idee war mir gekommen, als ich Rhett Butler in „Vom Winde verweht“ sagen hörte, dass sich beim Aufbau eines Landes viel Geld verdienen ließe, beim Untergang eines Landes jedoch noch weitaus mehr.

Im Frühjahr 1989 zog ich bei meinen Eltern aus und meine Matratze in einer Kreuzberger WG wurde arg beansprucht. Nachdem ich im Osten keine Männer mehr aufreißen konnte, schlief ich nun mit Touristen – an West-Berlinern zeigte ich nach wie vor kein Interesse.

Die Touristen kamen und gingen und vergaßen ständig Sachen bei mir, die sie sich, weil sie von anderswo kamen, nicht einfach so eben wieder abholen konnten. Daher stapelten sich in der Wohnung Kleidungsstücke, Armbanduhren, Bücher, Handtücher, Duschgels, Zahnbürsten, Musikkassetten, Walkmans und was sonst nicht noch alles.

Und dann fiel am 9. November 1989 die Mauer und in mir reifte erneut ein Businessplan, wie ich mit dem Osten Geld verdienen könnte. Ich packte den Krempel ein, den meine Liebhaber bei mir vergessen hatten, und postierte mich damit am Schlesischen Tor, direkt an einer Bankfiliale.

Die Ossis kamen über die Oberbaumbrücke nach Kreuzberg marschiert, holten sich in der Bank ihre 100 DM Begrüßungsgeld ab und wohin fiel ihr Blick als erstes, wenn sie aus der Bank kamen? – Genau. Auf einen Tapeziertisch, angefüllt mit Westwaren, die ein junger Westler feilbot.

Das Zeug war schnell ausverkauft und als nächstes entrümpelte ich den Keller meiner Eltern und die Keller der Freunde meiner Eltern, um an Nachschub zu kommen. Außerdem vögelte ich mit noch mehr Touristen als zuvor, in der Hoffnung, dass sie etwas bei mir vergaßen.

Und einer vergaß zwei Tickets für ein Konzert einer Schlagersängerin, die später zu meiner Lieblingsschlagersängerin werden sollte. Diese Tickets waren das letzte, was am Ende eines langen Tages noch auf meinem Tapeziertisch lag. Ein Ostberliner Junge meines Alters interessierte sich für die Tickets, konnte sich aber nicht recht entscheiden. Weil eigentlich würde er sich für sein Begrüßungsgeld gern eine Jeansjacke kaufen.

Ich schenkte ihm die Tickets unter der Bedingung, dass wir zusammen zu dem Konzert gehen. Er half mir, den Tapeziertisch abzubauen und nach Hause zu tragen. Am folgenden Tag gingen wir eine Jeansjacke kaufen und in der Woche drauf trampten wir nach Heilbronn, wo das Konzert stattfand.

An solche Geschichten denken homosexuelle Männer fortgeschrittenen Alters, wenn sie am Vatertag vor einer Schöneberger Kneipe stehen und sich ein Konzert ihrer Lieblingsschlagersängerin anschauen. Und ich frage mich, welche Sentimentalitäten wohl ein heterosexueller Mann mit dem Bollerwagen verbindet, mit dem er an diesem Tag umherzieht.

27. April 2012

19. März 2012

17. Februar 2012

Was Schwulsein nicht ist

Ratespiel. Was ist das? – Es ist keine Modeerscheinung. Es ist kein Trend. Es ist nichts, was es früher nicht auch schon gegeben hat, selbst wenn es immer eine Waltraud Kneisl aus Oberammergau geben wird, die steif und fest das Gegenteil behauptet. Es ist nichts, was die alten Römer und die alten Griechen nicht schon betrieben haben. Es ist nichts, was ein Parlament oder eine religiöse Instanz per Gesetz ausmerzen kann. Es kommt nicht daher, dass deine Mutter zu dominant war, oder dass deine Mutter während der Schwangerschaft ständig Songs von Madonna gehört hat. Es rührt nicht daher, dass du als Kind mit Barbiepuppen gespielt hast oder dass du im Sportunterricht stets als Letzter in eine Mannschaft gewählt wurdest.

Du wirst es nicht, weil dich jemand verführt hat oder weil du zu viele Drogen genommen hast. Du wirst es nicht, du bist es. Es ist keine Phase, die vorbeigeht. Es ist da.

Es ist etwas, das in etwa 80 Staaten der Welt verboten ist und bestraft wird: mit Geldstrafen, Auspeitschen, unterschiedlich hohen Gefängnisstrafen bis hin zu lebenslanger Haft, Arbeitslager, Deportation oder Todesstrafe. Es ist in keinem Land Europas mehr verboten, selbst im Vatikan nicht.

Es ist keine Krankheit. Es ist keine Sünde. Du kannst es nicht mit Elektroschocks behandeln. Du kannst es nicht mit Spritzen oder Tabletten behandeln. Es ist mit Folter nicht abzustellen. Du kannst es weder weghypnotisieren noch wegmeditieren. Du kannst es nicht wegbeten, selbst dann nicht, wenn du allen Weltreligionen gleichzeitig angehörst. Auch wenn du dich als traditionell, konservativ oder religiös einstufst – es existiert trotzdem. Und was für einen Grund auch immer du anführst, warum du Homosexualität ablehnst, es ist ein feindseliger Grund. Du bist dann einfach nur homophob.

Sie kommen nicht bloß im Fernsehen vor, sondern auch in deiner Straße, in deiner Schule, an deiner Uni, an deinem Arbeitsplatz, in dem U-Bahn-Waggon oder in dem Bus, in dem du gerade sitzt. Sie kommen nicht zwingend gut gekleidet und perfekt gestylt daher. Sie sprechen nicht alle affektiert nasal und spreizen nicht alle den kleinen Finger ab, wenn sie eine Teetasse halten. Längst nicht alle sind im Sportunterricht stets als Letzte in eine Mannschaft gewählt worden. Nicht alle mögen sich warm duschen. Nicht alle werden Friseur, Schauspieler, Sänger, Designer – oder Flittchen, denn nicht alle haben ständig Sex.

Schwulsein bedeutet nicht, jeden dahergelaufenen Mann in den Arsch ficken zu wollen oder von jedem dahergelaufenen Mann in den Arsch gefickt werden zu wollen. Schwulsein bedeutet nicht, ein halber Mann zu sein – an mir ist alles dran. Schwulsein bedeutet nicht, dass einer der Mann ist und der andere die Frau. Mann und Frau – das nennt sich heterosexuell. Homosexuell hingegen bedeutet, sich sexuell vom gleichen Geschlecht angezogen zu fühlen. Und wenn zwei Menschen sich voneinander angezogen fühlen, kann es passieren, dass sie ausgezogen im selben Bett liegen und einander berühren.

16. Februar 2012

Heiraten



Seit meinem letzten Geburtstag halte ich Ausschau nach Anzeichen. Es gibt keinen Mann in meinem Umfeld, der in der zweiten Hälfte der 30er nicht für mindestens ein Jahr verrückt gedreht ist. Da werden langjährige Beziehungen beendet, es wird plötzlich wild rumgefickt oder rumgezickt weil ungefickt.

Seit langem freute ich mich auf diese Phase. „Endlich mal wieder eine Chance auf Sex!“ dachte ich. Bis mir auffiel, dass in vielen Texten, die ich in jüngerer Zeit verfasst hab, der Ich-Erzähler am Ende jemanden heiratet. Heiraten war sonst nie ein Thema. „Heiraten! Wer tut denn so was!“ Aber jetzt will ich heiraten. Ich weiß bloß noch nicht wen.

Allerdings weiß ich bereits, dass wir einen Wellensittich haben werden. Damit wir im Falle einer Scheidung wen haben, um dessen Sorgerecht wir uns streiten können.

Ein wenig fühle ich mich schon vom Schicksal betrogen. Während andere Männer in ihrer Midlife Crisis bumsen bis der Arzt kommt, werde ich heiraten. Nicht dass Verheiratete keinen Sex haben, aber ihr wisst doch wie das läuft: Isst du jeden Tag zum Frühstück ein Kürbiskernbrötchen, hast du irgendwann keinen Bock mehr auf Kürbiskernbrötchen.

Wie es sich wohl anfühlen wird, hinter dem Rücken des Kürbiskernbrötchens ein Sesambrötchen zu vernaschen? – Es gilt für mich als ausgemacht, dass ich fremdgehen werde. So komme ich auf Umwegen doch noch zum Sex. Ich pimper die komplette Bäckereiauslage durch: Mehrkornbrötchen, Milchbrötchen, Mohnbrötchen, Rosinenbrötchen, Käsebrötchen, Laugenbrezel, Schrippe, Semmel, Croissant, Baguette.

Weil heiraten uncool ist, werde ich mindestens die Hälfte meiner Facebook-Freunde verlieren. Und auch die anderen Freundschaften sind gefährdet. Hab ich doch kaum noch Zeit, um mich mit Freunden zu treffen. Entweder bin ich mit meinem Ehemann bei IKEA oder ich gehe in den Umkleidekabinen von H&M fremd.

Sogar am Samstag ist das Ausgehen gestrichen, weil wir sonntags immer zum Mittagessen zu den Schwiegereltern müssen. Und was für ein Fraß einem bei denen vorgesetzt wird! Gefühlt gibt es jedes Mal Wirsing. Von dem ich pupsen muss, aber im Haus meiner Schwiegereltern wird nicht gepupst!

Ich soll mich in meine Heiratsfantasien nicht so reinsteigern, sagt ein Kumpel, während wir im Bräutigammodengeschaft sind und ich einen Anzug nach dem anderen anprobiere. Ich bin mir nicht sicher, ob ich lieber einen nachtblauen oder einen marineblauen Anzug möchte. Vielleicht sollte ich zuerst entscheiden, welche Blumen in meinem Bouquet sein werden und passend dazu den Anzug auswählen.

Dahlien wären schön, überlege ich. Aber eigentlich weiß ich gar nicht genau, wie Dahlien überhaupt aussehen. Und ebenso weiß ich ja noch nicht wie mein Ehemann aussehen wird. Hinterher passen Dahlien nicht zu seiner Haarfarbe. Und wie schaut das denn dann aus auf den Fotos! Oder ich suche mir einen glatzköpfigen Ehemann, dann spielt das mit den Dahlien und der Haarfarbe keine Rolle. Aber was ist, wenn der glatzköpfige Ehemann einen Bart hat?

Fragen über Fragen. Um die Antworten darauf zu finden, begebe ich mich im Nachtleben auf Bräutigamschau.

Kandidat Nr. 1 ist zu bekifft. Der würde sicher einen Tag zu spät beim Standesamt aufkreuzen. Kandidat 2 hat eine beste Freundin dabei und ich will nicht, dass die hässliche Schnepfe eine von unseren Brautjungfern wird. Kandidat 3 kann gut küssen, zumindest bis sein Freund von der Toilette wiederkommt und ich eine gescheuert krieg.

Mit der geschwollenen Backe kann ich die Bräutigamschau für diese Nacht vergessen und betrinke mich. Und entwerfe in Gedanken schon mal eine vorläufige Tischordnung. Meine Schwiegereltern sitzen mir jedenfalls nicht gegenüber. Wenn ich die die ganze Zeit im Blick hab, muss ich automatisch nonstop pupsen, auch wenn es bei unserer Hochzeit selbstverständlich keinen Wirsing gibt.

Nachdem ich den Club verlassen hab, saufe ich in einem Späti weiter und komme gegen 7 Uhr morgens nach Hause. Ich stolpere durch den Flur und zwischen hysterischem Gekicher rufe ich immer wieder: „Ja, ich will. Ja, ich will. Ja, ich will ja. Ich will. Ja, ich will. Ja, ich will!“

Mein Mitbewohner kommt aus seinem Zimmer und denkt, ich hätte irgendne Pille eingeworfen. Ich krieg schon wieder eine gescheuert, so doll, dass ich die Hochzeitsglocken läuten höre. Ding, dong.

29. Januar 2012

Liebe verdient Respekt



Hab mir vorgenommen, mich mehr gegen rechts zu engagieren. Wenn ich also besoffen durch einen Club torkele und kotzen muss, kotze ich nicht mehr simpel geradeaus nach vorn, sondern drehe noch schnell den Kopf und übergebe mich dann nach rechts. Ich brech auf rechts! Politisch korrekt kotzen, nenne ich das.

In der Eile registrier ich meist erst nach der Tat, wer oder was sich neben mir befindet. Mal hab ich sportlich über einen Barhocker gegöbelt, mal auf einen Rucksack und in dieser Nacht stand da mein neuer Freund und ich hab mich auf seinem T-Shirt entleert. Sein Oberkörper ist übersät mit kaum verdauten Spaghetti.

Eine Frau fängt an, mich als rassistisches Arschloch zu beschimpfen. Was mir einfiele, einen dunkelhäutigen Mann vollzureiern! Andere Gäste pflichten ihr bei und alsbald werde ich von einem Security aus dem Club geführt und draußen auf den Bürgersteig geschubst. Ich falle hin und beobachte meinen aufgebrachten Freund, wie er sich das T-Shirt auszieht und es an der Glatze des Securitys abwischt. Der Security bezeichnet meinen Freund als Scheißnigger und mich als Scheißniggerficker. Eine Passantin beschimpft den Security als rassistisches homophobes Arschloch. Eine Polizeistreife stoppt am Rinnstein und die Beamten halten meinen Freund für einen Drogendealer und legen ihm Handschellen an. Und ich möchte einfach nur vorspulen…

… vorspulen bis zu der Stelle, wo ich neben meinem Freund im Bett aufwache und er sagt: „Dein Engagement gegen rechts in Ehren, Tom, aber bloß weil du mit mir zusammen bist, brauchst du nicht zu denken, dich besonders engagieren zu müssen.“

Seit wir ein Paar sind, fühle ich mich nahezu gezwungen, mich zu engagieren. Seit ich ihn kenne, werde ich ständig gefragt, ob denn schwarze Männer nun wirklich einen so großen Schwanz haben. Selbst mein Opa hat das gefragt! „Opa“, hab ich geantwortet, „wenn du im Krieg anstatt nach Russland zu marschieren den Afrikafeldzug mitgemacht hättest, dann wüsstest du es längst!“

Das viele Saufen und Kotzen gegen rechts fordert seinen Tribut. Ich bin hagerer geworden und wäre mein Körper Italien, würde mir die Hose mindestens bis Neapel herunterhängen.

Meine Mutter serviert mir ein deftiges Mittagessen und beim Nachtisch meint sie: „Du hast da einen Ausschlag am Hals! Ist das irgendeine Schwulenkrankheit? Oder bekommt man das, wenn man mit einem Afrodeutschen schläft?“

Dass meine Mutter Knutschflecken nicht als solche identifizieren kann, wundert mich nicht, so lange wie die sich schon sexuell deaktiviert verhält.

Es wundert mich ebenso wenig, dass ich als Kind geglaubt habe, meine Mutter wäre die Reinkarnation von Adolf Hitler. Abgesehen von ihrem Gelabere sprechen mindestens zwei weitere Dinge dafür: Erstens, dass sie wie Adolf Hitler am 20. April Geburtstag hat und zweitens, dass sie ein Oberlippenbärtchen trägt.

Die Mutter von meinem Freund ist nicht besser: Bloß weil ich kurz geschorene Haare hab, glaubt sie, ihr Sohn wäre mit einem Neonazi liiert. Und sein Vater hat ihm ein Pfefferspray geschenkt, damit mein Freund sich besser gegen mich verteidigen kann, falls ich ihn schlagen sollte.

Um Abstand zu gewinnen, fahren wir für ein paar Tage an die Ostsee. Als wir zurück sind, behaupten wir, wir hätten heimlich geheiratet. Wir geben eine Hochzeitsparty. Unsere Mütter tauschen Kochrezepte aus, unsere Väter unterhalten sich über Waffen. Und anstatt eine Rede zu halten, öffnet mein Freund seine Hose und zeigt allen seinen… relativ großen… Feuer speienden… Drachen, den er sich kürzlich auf die Hüfte hat tätowieren lassen.

26. Januar 2012

20. Januar 2012

Versink bis die Blondine singt



Ein Kreuzfahrtschiff namens „Costa Concordia“ ist vor einer kleinen italienischen Insel auf Grund gelaufen. Tagelang verfolge ich die Nachrichten und denke auch am sechsten Tag nach dem Unglück noch, dass es sich nicht ziemt, darüber Witze zu machen. So habe ich niemandem anvertraut, dass mich der Name des Schiffes an den Schlagersänger Costa Cordalis erinnert. Und ich habe auch nicht gewagt, die Frage aufzuwerfen, warum die kleine italienische Insel statt Giglio nicht Giotto heißt.

Allerdings während des sechsten Tages nach dem Unglück taucht in den Medien eine Blondine auf, die sich zum Zeitpunkt des Aufpralls mit dem Kapitän auf der Brücke aufgehalten haben soll. Komisch, wundere ich mich, Brigitte Nielsen befand sich an jenem Abend doch bereits im Dschungelcamp.

Spätestens wenn eine Blondine in einem medialen Handlungsstrang aufkreuzt, zerfällt meine ernsthafte Haltung und ich denke wahlweise an Hollywoodfilme oder an Pornos. Und als ich lese, dass die mysteriöse Schiffsbrückenblondine aus Moldawien stammt, ordne ich sie in die Kategorie „Porno“ ein. Und schäme mich dafür, weil in mir so viele Vorurteile über Menschen aus Osteuropa stecken. Schnell sortiere ich die Protagonistin um in die Kategorie „Hollywood“ und stelle mir die Frau in einem Remake von „Liebesgrüße aus Moskau“ vor.

Das mit der Einordnung in Hollywood oder Porno gestaltet sich zunehmend als schwierig. Bereits bei Bettina Wulff und Stefanie zu Guttenberg hatte ich Probleme. Hab die beiden vorerst unter der provisorischen Behelfsrubrik „Schlossbewohnerin“ abgeheftet.

In manchen Episoden, wie bei Wulff und Guttenberg, ist die Blondine von Anfang an im Cast. In vielen Fällen jedoch dauert es ein wenig bis auf einem Bild im Internet, Fernsehen oder in der Zeitung eine Blondine erscheint. Selten musste ich derart lange warten wie bei der Tsunami-Katastrophe von Weihnachten 2004. Am 26. Dezember 2004 löst ein Erdbeben im Indischen Ozean eine verheerende Flutwelle aus. Doch erst am 9. Januar 2005, 14 Tage später, fliegt Sabine Christiansen nach Colombo. In ihrer Eigenschaft als Unicef-Botschafterin kümmert sie sich um die Menschen auf Sri Lanka. Der Zeitungsleser, Fernsehzuschauer, Internetuser kann sich endlich entspannen. Sabine Christiansen wird die Welt schon wieder in die Angeln hieven. Menschheit, relax! Die Blondine ist da!

Blondinen werden oft als die Guten dargestellt, andererseits aber auch als blondes Gift tituliert. Das ambivalente Image macht Blondinen interessant. Das will mein Mitbewohner auch. Und er kauft sich im Drogeriediscounter eine Packung Homeblondierung. Das Experiment misslingt, meines Mitbewohners Kopf leuchtet karottenfarben.

Und meine Haarfarbe? Gern wird meine Haarfarbe als mittel- oder dunkelblond bezeichnet. Mittel- und dunkelblond – das sind die Haarfarben für die, wo es die Gene versucht, aber nicht richtig geschafft haben. Meine Mittelmäßigkeit kaschiere ich häufig mit einer blonden Perücke, einer wasserstoffperoxidblonden Perücke, aber die trage ich heute Abend nicht, weil sich verkleiden verstößt gegen die Regeln eines Poetry Slams.

Und ich beschließe diesen Text mit dem Lebenscredo aller Mittelblonden: Medium blondes have only medium fun!

2. Januar 2012

Vorschau für das Jahr 2012



Dieser Text wurde ermöglicht durch die freundliche Unterstützung von Drei Wetter Taft.

Berlin. Immer mehr Touristen zieht es in die Partymetropole Berlin. Reisebusse aus Paderborn bringen Gruppen von Seniorinnen zum Berghain – und die älteren Damen werden sogar hereingelassen!
„Jacobs Krönung statt Ecstasy“, beschreibt ein 23-jähriger Clubgänger die neue Türpolitik und übergibt sich in eine Kloschüssel. Und die neben ihm stehende Seniorin meint: „Das bisschen Kotze ist doch kein Problem, junger Mann! Fangen Sie am besten gleich mal zu putzen an!“

Gorleben. Die Gemeinde Gorleben versucht einen Imagewechsel: Porno statt Atom! Das Wendland wird zum Drehort für Sexfilme. Statt „Strahlender Atommüll im Salzstock“ heißt es nun „Ein Strahl Sperma im Eierstock“.

Kopenhagen. Es regnet. Mein Styling bleibt perfekt.

Bellevue. Es kommt heraus, dass sich Christian Wulff eine 10er-Karte für die Berliner Schwimmbäder von Franzi van Almsick hat bezahlen lassen. Und Karl-Theodor zu Guttenberg hat den Studentenausweis gefälscht, mit dem Franzi van Almsick lediglich den ermäßigten Preis zahlen musste.

Im April vor 100 Jahren versank die Titanic. Im April dieses Jahres versinkt Nicolas Sarkozy bei den französischen Präsidentschaftswahlen. An ihrem letzten Abend im Élysée-Palast stehen Sarkozy und Carla Bruni auf dem Balkon, er hält sie von hinten, sie breitet die Arme aus und singt aus dem Titanic-Soundtrack Céline Dions Hit „My Heart Will Go On“.

Azoren. Es ist windig. Meine Frisur hält.

London. Anlässlich der Olympischen Spiele reist Angela Merkel in die britische Hauptstadt und wird am Flughafen Heathrow von alkoholisierten Bankiersgattinen mit Euro-Münzen und Handtaschen beworfen.

Pjöngjang. In einem propagandistischen Zeichentrickfilm tritt Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un zusammen mit seinen Brüdern Kim Jong-deux und Kim-Jong-trois als kommunistische Version von Tick, Trick und Track auf.

Sahara. Die Sonne brennt. Mein Haar ist optimal geschützt. – Naja… zumindest mein Schamhaar.

Mexiko. Am 21. Dezember 2012 fliegt Biene Maja aus den Ruinen eines Maya-Tempels empor und versprüht aus ihrem Hinterteil eine Ladung No-Name-Haarspray und – die Welt geht unter. Mit Drei Wetter Taft wäre das nicht passiert.

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