19. November 2012

Aktiv im Alter



Meine Mutter hat sich ein E-Bike gekauft. Ein E-Bike könnte von Weitem für ein gewöhnliches Fahrrad gehalten werden. Der Betrachter soll denken: „Ach, die ältere Dame ist aber noch fit, wenn sie so zügig den Hang hinaufradeln kann.“

Ein Fahrrad allein reicht vielen Senioren aber nicht aus, um Sportlichkeit zu demonstrieren. Sie wollen sich auch sportiv kleiden. Die Zahl alter Männer in engen Radlerhosen steigt stetig an. Und immer wieder sehe ich Outdoorjacken! Zum Supermarkt um die Ecke zu gehen, gilt für manchen Jack Wolfskin schon als Outdoortrip. Und für den Sonntagsspaziergang wird sich gerüstet wie für eine Polarexpedition!

Wer im Alter nicht gern Rad fährt, kann es mit Nordic Walking probieren. Eine Gruppe fideler Stöcker-Hildegards trifft sich z. B. immer dienstags im Volkspark Friedrichshain. Und donnerstags trainiert in meinem Schwimmbad ein Seniorenwasserballteam namens „The Inkontinentals“.

Und im Fitnessstudio meines Mitbewohners wird neuerdings Katasana angeboten, ein physiodynamischer Gesundheitssport. Katasana klingt ähnlich wie Catsan, das Katzenstreu. Bei Katasana wird vermutlich vorher Catsan auf den Boden gestreut, für den Fall, dass eine Kursteilnehmerin sich beim Turnen urinierend verhält.

Während für meine nicht mehr ganz so fitte Tante Anneliese eine Pflege-unterstützende Haushilfe aus Osteuropa engagiert wurde, macht meine Mutter weiterhin auf aktiv im Alter und lebt nach dem Grundsatz: „Noch bin ich ohne eine Polin nicht verloren.“