31. Dezember 2013

Wenn ein Fisch Ohren hätte, würde er sie anstelle von Wattestäbchen mit Fischstäbchen säubern



Dieser Text wurde zu Papier gebracht mit einem Tintenfisch. Alternativ hätte ich auch mit einem Lachs schreiben können, aber lachsfarben liest sich so schlecht auf weißem Papier.

Da er zur Produktion von Literatur ungeeignet ist, ergreift der Lachs den Beruf des Fischquiz-Quizmasters und fragt: „Was ist der Unterschied zwischen einem Fisch und Helene Fischer?“ – Die Antwort: „Ein Fisch lebt im Wasser, Helene Fischer lebt im ZDF. Und Gotthilf Fischer lebt hoch auf dem gelben Wagen.“

Der Fischquiz-Quizmaster kennt auch die DDR-Ernährungsparole Fisch auf jeden Tisch. Bei der Pfarrerstochter Angela Merkel gibt’s zumindest an Karfreitag Fisch. Und seit Angela Merkel als Backfisch in der Uckermark angeln ging, hat sie einen Stockfisch im Arsch.

Apropos Politik: Ein nationalsozialistisch gesinnter Fisch nennt sich Braunfisch. Und sollten Sie in diesem Text nach einem tieferen Sinn suchen, angeln Sie vergebens.

Komme ich nun zum Goldfisch. Als Goldfisch wird jemand bezeichnet, der bei den Olympischen Spielen im Schwimmen eine Goldmedaille gewonnen hat.

Der tolle olympische Hecht zieht durchs Wasser wie durch Hechtsuppe und ist danach platt wie ’ne Flunder und windet sich später wie ein Aal, nachdem er dabei erfischt wurde, wie er im Trüben fischte – also Dopingfischfutter genommen hat.

Und ein weiterer Skandal erschüttert die Fischköppe: Weil der Aralsee verlandet, verlangt Aral, dass Shell auch keinen Schellfisch mehr haben soll. Wogegen schwärmeweise die Fische demonstrieren:
Mit fangfrischem Atem von Fischermen’s Friend
der Fischmob auf den Hamburger Fischmarkt rennt.

Der Fischmob schimpft wie ein Fischweib. Ein Fischweib genervt Tränengasbutter bei die Fische kippt und Fischers Fritz das Fischweib fix fickt. Er ist Wassermann und sie ist Fisch, d’rum bleibt ihre Liebe immer frisch.

Frische in der Liebe erhält sich zudem durch ein ausgewogenes Verhältnis von Nähe und Distanz. So sagt das Fischweib bald zum Fischers Fritz: „Auch wenn der Fisch noch nicht komplett gegessen ist, solltest du den Fisch machen, denn der Gast und der Fisch stinken am dritten Tag.“

Fischers Fritz kontert: „Ach, halt die Kiemen, du Fischweib, du nach Bratfisch stinkende Rollmopsin! Du redest doch bloß deswegen so daher, weil der Autor des Textes will, dass das Wort Fisch möglichst oft vorkommt. Fisch! Fisch! Fisch! Fisch! Fisch!“

Angepisst bzw. angefischt reist Fischers Fritz nach Heringsdorf. In Heringsdorf stört der Stör den Barsch im barschen Ton, weil dieser mit dem Thunfisch bloß dem Nichtstun frönt und höchstens mal mit dem Kabel-jau-chzt.

Ein Hai schwimmt vorbei und sagt: „Hi!“ Und die Makrele krakeelt, dass die Sardine von nun an Sabine genannt werden will. Die Sabine wird in die Sabinenbüchse gestopft, dieser Text ist abgefischt und ich gehe nun ins Badezimmer – Silberfische jagen.

18. Dezember 2013

Busfahrer



Neuerdings arbeite ich als Busfahrer. Und weil ich neu bin, werde ich auf öden Routen in Außenbezirken eingesetzt, in denen ich mich nicht auskenne. Einer hinter mir sitzenden Person werfe ich deshalb einen Stadtplan zu und sage: „Du suchst den Weg. Und ich fahre.“

An einer Kreuzung dann habe ich mir heute eingebildet, dass direkt vor meinem Bus Cindy aus Marzahn über die Straße geht. Vor Aufregung habe ich das Fahrzeug versehentlich in eine Ansammlung von Marktständen gelenkt, in deren Mitte eine musizierende Altkleiderfamilie stand. Der soziale Abstieg treibt Eltern dazu, sich mit ihren Kindern auf öffentliche Plätze zu stellen und zu musizieren.

Die Familie hat das Durcheinander genutzt, um möglichst viel herumkullerndes Obst und Gemüse in ihre Gitarrenkoffer und Geigenkästen zu packen und zudem meinen Bus zu klauen.

Den Job als Busfahrer bin ich fristlos los und bin wieder Poet. Und es geht weiter in den Dispo anstatt in die Disco. Und statt einer fettigen Busfahrerfrisur trag ich wieder Stoppeln nur.

12. Dezember 2013

Grau

Elefant.

8. Dezember 2013

Nachtclubverbot



Im Badezimmerradio folgen die Nachrichten. Eine der Meldungen handelt vom Nachtflugverbot am neuen Berliner Flughafen. Weil die Akustik aber durch die Klospülung verrauscht ist, verstehe ich nicht Nachtflugverbot, sondern Nachtclubverbot.

Wieso möchte denn da wer keinen Nachtclub am Flughafen? Wenn jemand den letzten Flug verpasst hat, wäre es doch praktisch, die Zeit bis zur nächsten Reisemöglichkeit mit dem Besuch eines Nachtclubs zu überbrücken.


Nach dem Frühstück rufe ich im Rathaus der Gemeinde Schönefeld an und die für Kultureinrichtungen zuständige Mitarbeiterin erklärt mir, dass in ihrer Gemeinde keine Nachtclubs geplant seien.

„Dann wird es aber Zeit, dass da mal jemand was plant!“ sage ich. „Marktlücken gehören gestopft!“ Spontan entschließe ich mich, demnächst am Flughafen einen Nachtclub zu eröffnen.

Ohne dass ich meiner Absicht schon hätte Taten folgen lassen, demonstrieren bald aufgebrachte Bewohner gegen meine Pläne. Eine Reporterin, die von der Demo berichtet, verfehlt das Thema und berichtet nicht, dass ein Nachtclubverbot gefordert wird, sondern ein Nacktflugverbot.

Nacktflugverbot? – Darüber regt sich nun aber eine Gruppe schwedischer Feministinnen auf. Die Frauen fliegen nach Berlin und steigen nackig aus dem Flugzeug und posieren auf der Gangway für die Fotografen.

Ein Sprecher von Scandinavian Airlines gibt bekannt, dass seine Fluggesellschaft darüber nachdenkt, einen Naked Friday einzuführen, an dem es auf ausgewählten Strecken erlaubt sein soll, unbekleidet an Bord zu gehen.

Das Rad der Zeitgeschichte entfernt sich zunehmend vom Ausgangspunkt der Story und in mir verblasst das Interesse an meinem Nachtclub. Ich wollte doch nur ein bisschen tanzen.

30. Oktober 2013

Frankfurt (Oder)

Früher wurde annektiert, einfach einmarschiert oder Krieg geführt. Heute wird das Herrschaftsgebiet anders erweitert; die Vorgänge nennen sich Wiedervereinigung, EU-Beitritt oder Länderfusion.

Statt die Bundesländer Berlin und Brandenburg zu fusionieren, könnte Brandenburg aber auch gevierteilt werden: Der einwohnerstarke Speckgürtel um Berlin wird dem Land Berlin einverleibt und der Rest zwischen Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Sachsen aufgeteilt.


Im dahinscheidenden Land Brandenburg allerdings muss mit Widerstand gerechnet werden. Der hartnäckigste Widerstand wird sich in Frankfurt (Oder) formieren. Statt sich zu entscheiden, ob sie von nun an zu Meckpomm oder zu Sachsen gehören wollen, erklären sich die Oderaner für unabhängig.

Unstimmigkeiten allerdings herrschen noch bei der Staatsform. Manche möchten eine Räterepublik installieren, andere wünschen sich anstelle einer Republik eine parlamentarische Monarchie und bieten Prinzessin Stéphanie von Monaco die Königinnenwürde an. Und dann gibt es noch ein Häuflein Nazis, das von einem Groß-Frankfurt phantasiert und polnische Gebiete auf der Ostseite der Oder heim ins Reich holen will.

Die provisorische Regierung Frankfurts residiert im Oderturm, einem 25-stöckigen Bürohochhaus, dem bislang einzigen Gebäude, das zur Skyline der Stadt zählt. An einem verregneten Montagvormittag evakuiert die Polizei das Gebäude, weil in der Psychiatrie des Klinikums Frankfurt (Oder) ein Patient eingeliefert wurde, der sich Justin Jihad nennt und behauptet, der Oderturm würde bald von einem von Selbstmordattentätern entführten Flugzeug platt gemacht.

Statt eines Selbstmordattentäters landet jedoch Helmut Kohl mit einem Hubschrauber auf dem Oderturm und verspricht der zusammengelaufenen Menge blühende Landschaften. Die im Bahnhof von Frankfurt (Oder) einen Double Whopper essende Prinzessin Stéphanie von Monaco ist über Helmut Kohls Auftritt empört und krönt sich spontan selbst zur Königin – mit einer Pappkrone von Burger King. Und zur Nationalhymne erklärt wird der Song Irresistible, ein Hit aus Stéphanies kurzlebiger Musikkarriere in der 80ern.

20. Oktober 2013

Die Sonnenblumen sind tot.



Rietzneuendorf-Friedrichshof

19. Oktober 2013

9. Oktober 2013

Pilze sammeln



Der neue Retro-Trend im Herbst 2013 heißt Pilze sammeln. Dagegen ist Urban Gardening voll yesterday! Während die einen immer noch an ihrem Beet aufm Tempelhofer Feld rumzupfen, wollen andere längst das wahre Zurück-zur-Natur-Feeling und stromern durch die Wälder Brandenburgs. Aber Vorsicht! Eine Sprecherin des Kreiskrankenhauses in Beeskow, Landkreis Oder-Spree, erklärte, dass heute der erste Neuköllner Hipster mit einer Pilzvergiftung bei ihnen eingeliefert wurde. Und meine Mutter hat versehentlich einen das Bewusstsein erweiternden Drogenpilz gegessen und tanzt seit Tagen im Berghain.

28. September 2013

Krummer Wald



Gryfino

19. September 2013

Lieber einen Wal im Aquarium als eine Wahl im Lokal



Was soll ich bei der Wahl? Wenn ich was wähle, dann möchte ich zwischen guten Optionen wählen und nicht zwischen Scheiße, Kacke, Exkrementen und Fäkalien.

Ich erwäge, den Haribo-Wahl-O-Maten zu befragen: Mit verschlossenen Augen eine Tüte Haribo Goldbären bis auf den letzten Bären aufessen, der Farbe des letzten Bären eine politische Partei zuordnen und diese Partei angekreuzt und fertig.

Ich erreiche das Wahllokal. Das Wahllokal ist im sonstigen Leben eine Kita und an den Wänden im Flur sehe ich Marienkäfer über Marienkäfer. Mehr Marienbildnisse gibt es nicht einmal im Vatikan. Marienkäfer würden Christdemokraten wählen.

Und Kühe würden Künast wählen, wenn sie könnten.

Und Störche würden gar nicht wählen, weil sie im September längst auf dem Weg in den Süden sind.

Ich flüchte mich nach nebenan in einen Spätkauf. Mit zugekniffenen Augen stehe ich vorm Kühlschrank und erwische ein Beck’s Gold. Gelbe Farbe. Soll ich also die FDP wählen? – Danach trinke ich ein normales Beck’s. Grüne Flasche. Eine Schokolade aus der Ritter Sport-Kollektion wandert in meinen Mund. Geschmacksrichtung Marzipan. Die Verpackung ist rot. Bin ich jetzt auf SPD oder SED oder PDS oder Die Linke? – Ich sehe schwarz.

Nach kurzer Bewusstlosigkeit kommt ein Nachbar in den Laden, der auch nicht weiß, was er wählen soll. Aber er weiß, wo eine Wahlparty steigt. Fragt mich nicht, von welcher Partei die Party ist. Ich kann nur sagen, dass die Getränke umsonst sind und dass ich mit einem bärtigen Nachwuchspolitiker nach Hause gehe.

Ich liebe Wahlen! – Aber was spielt es für eine Rolle, wer am Ende gewinnt! Schwarz, gelb, grün, rot, dunkelrot. Die versprechen doch alle dasselbe: Mehr Reichtum! Mehr Frieden! Mehr Bildung! Mehr Schönheit! – Weiter so.

14. September 2013

Die FDP-Version von Modern Talking



You can win if you want!

15. August 2013

Mann mit Ohren



Chemiewerk Rüdersdorf

26. Mai 2013

Der Mietpreis ist eine Bierflaschenrechnung



Der Mietpreis richtet sich nicht bloß nach dem Standard einer Wohnung, sondern auch nach dem Standort. Folglich kann eine vergleichbare Wohnung in Ort A billiger bzw. teurer sein als in B. Das ist wie mit einer Flasche Bier: Bei Kaiser’s kostet eine 0,33-l-Flasche Beck’s mehr als bei Netto; im Spätkauf oder an der Tanke ist die Flasche noch teurer und im Restaurant oder im einem Club sowieso. Idealerweise hast du die Wahl, wo du dein Bier trinkst. Aber was ist, wenn dein Vermieter ankündigt, dich auf Edelpuff heraufzustufen, die Butze allerdings nach wie vor aussieht wie Aldi und du dir äußerstenfalls REWE leisten kannst?

23. Mai 2013

10. Mai 2013

Frühling lässt seinen blauen Sessel...



Frühling lässt seinen blauen Sessel wieder stellen auf die Wiese!

6. Mai 2013

Theater der Freundschaft



Die Dramaturgie der Zeit hat die Freundschaft hier wohl ein wenig in die Jahre kommen lassen.

Nauen

5. Mai 2013

KUCHENVISION



Es ist Sonntag und ich habe eine Kuchenvision!

Friedrichshain, Frankfurter Allee

19. April 2013

Uckermark Airlines



Uckermark Airlines fliegt sie bequem nach Prenzlau, Schwedt, Angermünde und in andere nordostbrandenburgische Metropolen!

11. April 2013

Dein Radweg küsst dich!



Kreuzberg, Hallesches Tor

8. April 2013

Margaret Thatcher

Bin auf den Tag genau 50 Jahre nach Margaret Thatcher geboren und frage mich nun angesichts ihres Ablebens, ob ich auch auf den Tag genau 50 Jahre nach ihr sterben werde? Einen Gin Tonic später bin ich jedoch der Ansicht, ich sollte mit Prognosen warten bis zum Tode Nana Mouskouris, denn die alte Hipsterbrille wurde ebenfalls an einem 13. Oktober geboren. Und „Weiße Rosen aus Athen“ sind mir zur Beerdigung lieber als eine konservative Betonfrisur, die mit ihrer Handtasche auf meinen Sarg eindrischt und krakeelt: „I want my money back!“.

Wessi go home



In einem Wald bei Philadelphia, einem brandenburgischen Dorf im Landkreis Oder-Spree, ist die Wessi-Feindlichkeit auch im Jahr 2013 noch tief verwurzelt.

7. April 2013

Beckers Bäckerei backt backend Backwaren



Sonst noch im Angebot: Schneiders Schneiderei, Webers Weberei und Bauers Bauernhof sowie Schiffers Schifffahrtsgesellschaft und Schreibers Schreibwarengeschäft. Und fast schon zu kreativ: Fischers Anglerbedarf und Fleischers Metzgerei.

4. April 2013

Warschauer Straße



In Berlin wird überall gespart: Auf den neuen Straßenschildern in der Warschauer Straße wurde ein Buchstabe weggelassen und die Straße heißt nun bloß noch Warchauer Straße.

1. April 2013

Horst Zahn



Hieße ich Horst Zahn, wäre ich nicht Facharzt für Allgemeinmedizin, sondern Zahnarzt!

31. März 2013

Doris Puder



Doris Puder, Friseur seit 1895 in Wusterwitz, ist die deutlich ältere Schwägerin von Hannelore Knopf, Schneiderin in Cahnsdorf. Und im Jahr 1895 war es wohl noch nicht üblich, Berufsbezeichnungen zu gendern.

28. März 2013

Basteltipp

Wie sich aus Flaggen homofeindlicher Gebiete ganz einfach eines dieser Gleichheitszeichen basteln lässt, die jetzt zur Unterstützung der Eheöffnung für Lesben und Schwule zahlreich auf Facebook kursieren. Nehmen Sie z.B. die Flagge der Türkischen Republik Nordzypern (der einzige Landstrich in Europa, wo Homosexualität noch verboten ist), kehren Sie die Farben um (Ketchup wird Majo, Majo wird Ketchup), dann entfernen Sie noch die beiden Zeichen in der Mitte und tünchen mit einem Textmarker die weißen Streifen rosa. Ebenso simpel geht es mit der polnischen Flagge: ein bisschen Geschnippel mit der Schere, dann wieder Textmarker und fertig!



UPDATE
Wohl um das Zerschneiden weiterer Flaggen zu verhindern, hat das Parlament Nordzyperns am 27.01.2014 Homosexualität entkriminalisiert.

23. März 2013

Die Krise als Chance?

Die Seniorin Inge Bröckelmann aus Rheda-Wiedenbrück hat Angst. Sie befürchtet, dass ihre Ersparnisse bald nach Zypern zwangstransferiert werden. Bröckelmanns Nachbarin Ursula Niewöhner habe bereits freiwillig die Patenschaft für eine Familie aus Nikosia übernommen. Und die Nikosianer hätten ein Foto des neuen Autos geschickt, das sie sich dank des Niewöhnerschen Geldes leisten konnten. „Aber die Ulla regt sich noch nicht einmal darüber auf!“ echauffiert sich Inge Bröckelmann. Habe doch der Sohn der Niewöhners durch den Kontakt nach Zypern ebendort endlich wieder einen Job als PR-Stratege gefunden. Er berät die Protestbewegung des Inselstaates und versucht, den Demonstranten nahezubringen, dass Nazi-Flaggen auf Transparenten ein No-Go sind. Niewöhners Alternativvorschläge: vorm Parlamentsgebäude Bunderkanzlerinnenvoodoopuppen aufspießen und alle zyprischen Transen laufen als Merkel-Lookalikes auf.

22. März 2013

Mahagoni

In der Tagesschau läuft Angela Merkel mit einer mahagonifarbenen Handtasche durchs Regierungsviertel und ich frage mich, was in der Tasche ist: Ein paar Butterbrote für die Pause, ein Zypern-Reiseführer (zum aufm Klo lesen) oder gar ein Nachthemd, falls die Rettung des Euros mal wieder länger dauert und sie anderswo nächtigen muss?

11. März 2013

Beige



Im Alter trägt mensch in Deutschland nur noch zwei Farben: schwarz bei Beerdigungen und die übrige Zeit beige. Allerdings ist kaum ein Rentner emanzipiert genug, die Farbe beige auch als beige zu definieren. Die Modeindustrie hat diese Problematik erkannt und wählt für Beigetöne Namen wie Elfenbein, bastfarben, naturfarben, Cappuccino, Milchkaffee, Creme, Irish Cream, Wiener Melange, Latte macchiato, Caffé latte oder Café au lait.

Oder neulich bei C&A. Meint die eine Seniorin zur anderen: „Du, soll ich die Jacke lieber in Wüstensand oder in Sanddüne nehmen?“

Aufgrund ihrer sanddünenen Farbgebung bekommt eine Seniorin, die häufig ihre Sexualpartner wechselt, gern den Spitznamen Wanderdüne verpasst.

Da auch Nudeln größtenteils in beige gehalten sind, bezeichnen Italiener schlanke ältere Deutsche als Spaghetti und dicke ältere Deutsche als Fettuccine.

Und beigefarbene Kondome heißen in Italien Cannelloni.

Und Harald Glööckler hat Tangaslips entworfen, deren Farbe er nicht beige nennt, sondern Eierschale.

Zudem ist beige die inoffizielle Farbe der CDU, deren Wahlprogramm wie ein unzählige Male wiedergekäuter Schokoriegel schmeckt.

In Irland hingegen schmeckt konservative Politik wie Baileys. Baileys ist beige mit Alkohol. Auch Champagner ist beige mit Alkohol. In Frankreich trinken alle Politiker Champagner. Die Grünen jedoch nur, wenn er aus ökologischem Anbau stammt.

24. Februar 2013

23. Februar 2013

WEAR DICH



Bekloppter Name von Klamottengeschäft in Dessau:
Wenn sich niemand dagegen wehrt, wird der Name ewig währen.

18. Februar 2013

Warte bis der Hase sich selbst erschießt



Liebe Eltern, aus mir ist doch noch was geworden: Ich habe denselben akademischen Grad wie Annette Schavan, eine Frau, die immerhin einmal Bundesbildungsministerin war. Wie Annette Schavan könnte also auch ich Fördermittel an Bildungseinrichtungen verteilen.

Oder ich könnte der nächste Papst werden – bin ich es doch gewohnt, einem Publikum Geschichten über Fantasiegestalten vorzusetzen.

Flughäfen bauen kann ich ebenfalls – zumindest solche, von denen niemand erwartet, dass sie je eröffnet werden. Meine Person ist untrennbar verbunden mit den internationalen Großflughäfen von Bad Pyrmont, Waldkraiburg und Hoyerswerda.

Und wo wir gerade von Verkehrsprojekten sprechen, möchte ich noch mein Engagement in der Bahnpolitik erwähnen. Bei all dem Rummel um den Bahnhofsumbau in Stuttgart wird gern übersehen, dass ich in anderen Städten bereits verhindern konnte, dass Kopfbahnhöfe in Durchgangsbahnhöfe umgewandelt werden: in Wilhelmshaven, Cuxhaven, Kiel und Warnemünde.

Ich habe den Eurovision Song Contest genauso oft gewonnen wie Tina Turner, Cher, Madonna, Kylie Minogue und Britney Spears.

Und in der Siegerliste der Tour de France taucht mein Name ebenso häufig auf wie der von Lance Armstrong. Ich habe dies mit Alltags- und Freizeitradeln in Berlin und Brandenburg erreicht, ohne Bergwertungen, ohne nach Schweiß stinkende Trikots und ohne Dopingmittel.

Meine Amtszeit als König von England ist bisher exakt so lang wie die von Prince Charles.

Und was vielleicht nicht alle von euch wussten: Ich habe genauso viele Kinder geboren wie Angela Merkel. Den Fortbestand der Menschheit sichernde Maßnahmen sind mir wichtig. Deswegen schlafe ich gern mit Gynäkologen und mein Schlafzimmer ist rund und ich nenne es nicht Schlafzimmer, sondern Kreissaal.

Lebensleistungen sollten nicht allzu sehr in den Himmel gehoben werden. So spreche ich zum Beispiel selten darüber, dass ich seit Februar 2012 ebenso viel Macht besitze wie Christian Wulff.

Ich habe in meinem bisherigen Leben in etwa genauso viel geschissen wie David Beckham oder Robbie Williams. Wir drei sind Männer, die seit Mitte der 70er nahezu täglich Kot absondern.

Und 1989 habe ich die Mauer eingerissen – zwischen meinem Zimmer und dem Wohnzimmer, damit ich einen von Steinen und Mörtel befreiten Blick auf den Westfernseher hatte.

Später habe ich das Konzept von Frauentausch entwickelt. Eigentlich wollte ich bloß meine Mitbewohnerin loswerden, aber sind nicht die meisten der genialsten Erfindungen eher beiläufig geschehen?!

Liebe Eltern, aus mir ist doch noch was geworden. Ich kann alles, ohne alles dafür zu tun. Mein Wappentier ist der Igel und mein Motto lautet: Warte bis der Hase sich selbst erschießt.

13. Februar 2013

Volksbuchhandlung



Falls jemand in Treuenbrietzen (Landkreis Potsdam-Mittelmark) den real existierenden Sozialismus wiederbeleben möchte: Die örtliche Volksbuchhandlung steht leer und wartet auf Neubeplanwirtschaftung!

9. Februar 2013

POET



Schöneweide, Bärenquell-Brauerei

2. Februar 2013

Mülleimerschneemann



Friedrichshain, Warschauer Straße

28. Januar 2013

Jugend forscht



Unser Vater arbeitete als Schwimmmeister im städtischen Hallenbad und unsere Familie wohnte in der schwimmmeisterlichen Dienstwohnung.

An meinem 12. Geburtstag dann hielten mein Bruder und meine Schwester mich für alt genug, um mich in ihr großes Geheimnis einzuweihen. Sie zerrten mich in ihr Zimmer und schlossen die Tür ab. Mein Bruder führte in ein winziges Loch in der Wand eine Minikamera ein und verband die Kamera mit seinem Computer. Und auf dem Bildschirm schauten wir uns die Live-Übertragung der Ereignisse aus dem Raum jenseits der Wand an.

Da es sich bei dem Raum jenseits der Wand um die zum Hallenbad gehörende Sauna handelte, sahen wir nackte Menschen. Menschinnen, um genau zu sein, denn es war Frauentag. „Überall nackte Möpse!“ frohlockte meine Schwester. „Und die unrasierte Möse da vorne, das ist meine Mathelehrerin.“

Meines Bruders Hand verschwand in seiner Hose und er begann, mit seinem Schwanz zu spielen. Und meine Schwester begann, mit ihrer Muschi zu spielen. Und ich? Ich saß unbewegt zwischen den Onanierenden.

„Tom, weißt du nicht, was Wichsen ist?“ fragte mein Bruder.
„Vielleicht ist er doch noch zu jung“, überlegte meine Schwester.
„Ich bin überhaupt nicht zu jung“, stieß ich hervor. „Ich weiß bloß nicht, was ich an nackten Möpsen und Mösen finden soll.“
„Ach, so ist das“, erwiderte meine Schwester. „Wenn du nicht auf Möpse und Mösen stehst, musst du morgen wiederkommen. Dann ist Herrensauna.“

Vom folgenden Tag an war ich recht häufig im Zimmer meiner Geschwister anzutreffen und unsere Eltern freute es, dass sich die Kinder so gut miteinander verstanden.

Als ich 14 war, änderte sich die Wohnsituation. Mein Bruder verbrachte ein Jahr in Frankreich. Und meine Schwester zog mit der bereits erwähnten Mathelehrerin nach Köln.

Wenn Herrensauna war, lud ich jetzt meist die beiden anderen Schwulen aus meiner Jahrgangsstufe ein. Und die beiden anderen brachten bald noch weitere Jungs mit, die wiederum beim nächsten Mal ebenfalls weitere Gäste anschleppten.

Ich hätte ahnen müssen, dass ein Geheimnis, wenn es mit zu vielen Leuten geteilt wird, nicht mehr lange ein Geheimnis bleibt. Eines Tages klingelte die Polizei an der Wohnungstür und die Beamten nahmen meinem Computer und die Minikamera mit.

Meine Eltern wollten wissen, was ich mir denn bei einem solch voyeuristischen Verhalten nur gedacht hätte. Anstatt einer reflektierenden Antwort sagte ich lediglich, dass ich denke, dass ich mir in Zukunft zum Wichsen wohl gewisse Zeitschriften werde kaufen müssen. Woraufhin mir mein Vater einen Fuffi hinwarf und die Wohnung in Richtung Schwimmbad verließ. Im Schwimmbad dann erfuhr mein Vater, dass er vom Dienst suspendiert ist.

In der lokalen Presse wurde über den schwulen Spanner-Sohn des Schwimmmeisters ausgiebig berichtet. Die Beziehung meiner Schwester zu ihrer ehemaligen Mathelehrerin wurde ebenfalls ins Rampenlicht gezerrt. Ein angeblich existierendes Foto, auf dem mein gelenkiger Bruder es sich selbst französisch macht, wurde hingegen nicht veröffentlicht. Jene Aufnahme allerdings, auf der mein Vater mit einer Mitarbeiterin unter der Dusche knutscht, wurde abgedruckt. Was dazu führte, dass meine Mutter ihre Koffer packte und mit dem Familienauto davonfuhr.

Mein Vater verlor seine Stelle und wir mussten aus der Dienstwohnung raus und zogen nach Köln zu meiner Schwester und ihrer Mathelehrerin.

19. Januar 2013

Topmodel



Neuruppin

12. Januar 2013

MARS



Mars im Sternenbild des Galaxy Shopping Centers in Stettin

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