31. Dezember 2013

Wenn ein Fisch Ohren hätte, würde er sie anstelle von Wattestäbchen mit Fischstäbchen säubern



Dieser Text wurde zu Papier gebracht mit einem Tintenfisch. Alternativ hätte ich auch mit einem Lachs schreiben können, aber lachsfarben liest sich so schlecht auf weißem Papier.

Da er zur Produktion von Literatur ungeeignet ist, ergreift der Lachs den Beruf des Fischquiz-Quizmasters und fragt: „Was ist der Unterschied zwischen einem Fisch und Helene Fischer?“ – Die Antwort: „Ein Fisch lebt im Wasser, Helene Fischer lebt im ZDF. Und Gotthilf Fischer lebt hoch auf dem gelben Wagen.“

Der Fischquiz-Quizmaster kennt auch die DDR-Ernährungsparole Fisch auf jeden Tisch. Bei der Pfarrerstochter Angela Merkel gibt’s zumindest an Karfreitag Fisch. Und seit Angela Merkel als Backfisch in der Uckermark angeln ging, hat sie einen Stockfisch im Arsch.

Apropos Politik: Ein nationalsozialistisch gesinnter Fisch nennt sich Braunfisch. Und sollten Sie in diesem Text nach einem tieferen Sinn suchen, angeln Sie vergebens.

Komme ich nun zum Goldfisch. Als Goldfisch wird jemand bezeichnet, der bei den Olympischen Spielen im Schwimmen eine Goldmedaille gewonnen hat.

Der tolle olympische Hecht zieht durchs Wasser wie durch Hechtsuppe und ist danach platt wie ’ne Flunder und windet sich später wie ein Aal, nachdem er dabei erfischt wurde, wie er im Trüben fischte – also Dopingfischfutter genommen hat.

Und ein weiterer Skandal erschüttert die Fischköppe: Weil der Aralsee verlandet, verlangt Aral, dass Shell auch keinen Schellfisch mehr haben soll. Wogegen schwärmeweise die Fische demonstrieren:
Mit fangfrischem Atem von Fischermen’s Friend
der Fischmob auf den Hamburger Fischmarkt rennt.

Der Fischmob schimpft wie ein Fischweib. Ein Fischweib genervt Tränengasbutter bei die Fische kippt und Fischers Fritz das Fischweib fix fickt. Er ist Wassermann und sie ist Fisch, d’rum bleibt ihre Liebe immer frisch.

Frische in der Liebe erhält sich zudem durch ein ausgewogenes Verhältnis von Nähe und Distanz. So sagt das Fischweib bald zum Fischers Fritz: „Auch wenn der Fisch noch nicht komplett gegessen ist, solltest du den Fisch machen, denn der Gast und der Fisch stinken am dritten Tag.“

Fischers Fritz kontert: „Ach, halt die Kiemen, du Fischweib, du nach Bratfisch stinkende Rollmopsin! Du redest doch bloß deswegen so daher, weil der Autor des Textes will, dass das Wort Fisch möglichst oft vorkommt. Fisch! Fisch! Fisch! Fisch! Fisch!“

Angepisst bzw. angefischt reist Fischers Fritz nach Heringsdorf. In Heringsdorf stört der Stör den Barsch im barschen Ton, weil dieser mit dem Thunfisch bloß dem Nichtstun frönt und höchstens mal mit dem Kabel-jau-chzt.

Ein Hai schwimmt vorbei und sagt: „Hi!“ Und die Makrele krakeelt, dass die Sardine von nun an Sabine genannt werden will. Die Sabine wird in die Sabinenbüchse gestopft, dieser Text ist abgefischt und ich gehe nun ins Badezimmer – Silberfische jagen.

18. Dezember 2013

Busfahrer



Neuerdings arbeite ich als Busfahrer. Und weil ich neu bin, werde ich auf öden Routen in Außenbezirken eingesetzt, in denen ich mich nicht auskenne. Einer hinter mir sitzenden Person werfe ich deshalb einen Stadtplan zu und sage: „Du suchst den Weg. Und ich fahre.“

An einer Kreuzung dann habe ich mir heute eingebildet, dass direkt vor meinem Bus Cindy aus Marzahn über die Straße geht. Vor Aufregung habe ich das Fahrzeug versehentlich in eine Ansammlung von Marktständen gelenkt, in deren Mitte eine musizierende Altkleiderfamilie stand. Der soziale Abstieg treibt Eltern dazu, sich mit ihren Kindern auf öffentliche Plätze zu stellen und zu musizieren.

Die Familie hat das Durcheinander genutzt, um möglichst viel herumkullerndes Obst und Gemüse in ihre Gitarrenkoffer und Geigenkästen zu packen und zudem meinen Bus zu klauen.

Den Job als Busfahrer bin ich fristlos los und bin wieder Poet. Und es geht weiter in den Dispo anstatt in die Disco. Und statt einer fettigen Busfahrerfrisur trag ich wieder Stoppeln nur.

12. Dezember 2013

Grau

Elefant.

8. Dezember 2013

Nachtclubverbot



Im Badezimmerradio folgen die Nachrichten. Eine der Meldungen handelt vom Nachtflugverbot am neuen Berliner Flughafen. Weil die Akustik aber durch die Klospülung verrauscht ist, verstehe ich nicht Nachtflugverbot, sondern Nachtclubverbot.

Wieso möchte denn da wer keinen Nachtclub am Flughafen? Wenn jemand den letzten Flug verpasst hat, wäre es doch praktisch, die Zeit bis zur nächsten Reisemöglichkeit mit dem Besuch eines Nachtclubs zu überbrücken.


Nach dem Frühstück rufe ich im Rathaus der Gemeinde Schönefeld an und die für Kultureinrichtungen zuständige Mitarbeiterin erklärt mir, dass in ihrer Gemeinde keine Nachtclubs geplant seien.

„Dann wird es aber Zeit, dass da mal jemand was plant!“ sage ich. „Marktlücken gehören gestopft!“ Spontan entschließe ich mich, demnächst am Flughafen einen Nachtclub zu eröffnen.

Ohne dass ich meiner Absicht schon hätte Taten folgen lassen, demonstrieren bald aufgebrachte Bewohner gegen meine Pläne. Eine Reporterin, die von der Demo berichtet, verfehlt das Thema und berichtet nicht, dass ein Nachtclubverbot gefordert wird, sondern ein Nacktflugverbot.

Nacktflugverbot? – Darüber regt sich nun aber eine Gruppe schwedischer Feministinnen auf. Die Frauen fliegen nach Berlin und steigen nackig aus dem Flugzeug und posieren auf der Gangway für die Fotografen.

Ein Sprecher von Scandinavian Airlines gibt bekannt, dass seine Fluggesellschaft darüber nachdenkt, einen Naked Friday einzuführen, an dem es auf ausgewählten Strecken erlaubt sein soll, unbekleidet an Bord zu gehen.

Das Rad der Zeitgeschichte entfernt sich zunehmend vom Ausgangspunkt der Story und in mir verblasst das Interesse an meinem Nachtclub. Ich wollte doch nur ein bisschen tanzen.