27. Februar 2014

Neue Hose



Seit Längerem schon will ich mir eine neue Hose zulegen und recherchiere nach ihr im Internet; was bisher lediglich dazu geführt hat, dass mir am Bildschirmrand häufig Hosenwerbung angezeigt wird – unabhängig davon, ob ich nun gerade nach einer Hose suche oder nach Sexualkontakten.

Vom Flur her ertönt der verzückte Schrei meines Mitbewohners. Er hat ein zalando-Paket bekommen. Der verzückte Schrei weicht einem wütenden Brüllen, als mein Mitbewohner bemerkt, dass ihm die soeben gelieferten Schuhe zu klein sind.

Ich beschließe, meine neue Hose nicht im Internet zu kaufen, und begebe mich in ein analoges Kaufhaus. Ich stelle mich in die Herrenabteilung und rufe: „Guten Tag, ich bin ein Kunde und möchte eine Hose kaufen.“ Niemand außer ein paar Schülerinnen aus Bergisch Gladbach, die auf Klassenfahrt in Berlin sind, reagiert auf mich. Die Schülerinnen helfen mir, eine Hose auszuwählen.

Wieder zu Hause finde ich meinen Mitbewohner nackt vor. Sein Guru hätte als Kalenderblattspruch heute gepostet: „Streif all das ab, was von H&M ist, und du kommst deiner eigenen Persönlichkeit ein Stück weit näher.“ – Ich habe Sorge, dass der Guru morgen dazu auffordert, all das loszuwerden, was von IKEA ist.

Mein Mitbewohner begutachtet meine neue Hose und meint, dass ich in meinem Alter eigentlich längst ein Mindestmaß an Stilbewusstsein hätte entwickeln können. Sagt der, der neulich bei einer Lesung war, bei der 24 Stunden lang Songtexte von Andrea Berg rezitiert wurden.

Um Tiefgründigkeit zu demonstrieren, besuche ich einen Weltverbesserungskongress. Dort bekleckere ich mir meine neue Hose mit veganem Gulasch. Die Hose sieht nun so lecker aus, dass ein just des Weges kommender Hosenfetischist sich hinkniet und das Gulasch von meiner Hose leckt. Ich taufe den Hosenfetischisten auf den Spitznamen Waschmaschine und frage ihn, ob er zufällig auch einen Putzfetisch hat. Dann nämlich täte ich ihn gern noch zu mir nach Hause abschleppen.

12. Februar 2014

Milchshake



Als Teenager stand ich eines Nachmittags an einer Ampel, ein Cabrio fuhr vorbei, die Insassen beschimpften mich als Schwuchtel und ein Milchshake wurde nach mir geworfen. Wann immer ich in den Jahren danach an einer Ampel stand, habe ich versucht, bloß nicht homosexuell zu wirken, damit nicht wieder ein Getränk auf mich fliegt.

In Talkshows und Zeitungsinterviews behaupten homophobe Menschen gern, nicht homophob zu sein. Sie sind gar empört, wenn ihnen eine solche Eigenschaft unterstellt wird. Der Begriff Homophobie scheint eine Bedeutungsverschiebung zu durchleben: Ursprünglich waren bei Homophobie die Homos die Opfer, neuerdings sind bei Homophobie die Homophoben die Opfer.

Stell dir vor, ein Homophober steht an einer Ampel und versucht krampfhaft, nicht homophob zu wirken, wenn gerade ein quietschrosa Cabrio mit giggelnden Tunten drin angefahren kommt.

11. Februar 2014

Horizont durch Berge begrenzt

Schweiz. Bei einer Volksabstimmung sprach sich die Mehrheit dafür aus, das Zuwandern von Menschen aus anderen Ländern zu begrenzen – was mich zu der Frage führt: Haben die Schweizer vergessen, dass selbst Klara, Heidis beste Freundin, eine Ausländerin ist? – Klara kommt aus Frankfurt. Und neuesten Erkenntnissen nach weist auch Ziegenpeter einen Migrationshintergrund auf – Forscher vermuten als Geburtsort ein Dorf in der Nähe von Sarajevo.