23. Dezember 2015

19. Dezember 2015

Natürliche Schönheit kommt von außen



Hab mich im Château de Beauté für die Festtage aufmöbeln lassen: mehr Lippen, mehr Augen, weniger Nase und neue Haare. Jetzt kann Weihnachten kommen!

6. Dezember 2015

Terror in der Provinz

Eine E-Mail-Korrespondenz mit meiner Mutter, wohnhaft im Kalifat Ostwestfalen.


Meine Mutter schreibt:

Lieber Tom,
mache mir solche Sorgen um dich. Und Margit Depenbusch und Ingeborg Hülstorf haben sich auch schon nach dir erkundigt. Wie ergeht es dir denn momentan in Berlin? Leben die Menschen in Berlin in ebenso großer Terrorangst wie in Paris und Brüssel? Städte, in denen du bereits warst. Nicht auszudenken, was dir dort alles hätte zustoßen können!
Meld dich mal!
Viele Grüße
Deine Mutter


Ich antworte:

Liebste Mutter,
mache mir auch Sorgen um dich. Wie ergeht es dir denn momentan in Ostwestfalen? Hab gelesen, dass heute bei dir in der Nähe, in Rahden im Kreis Minden-Lübbecke, ein Terroreinsatz stattgefunden hat. Die Polizei ist einem Hinweis gefolgt, nach dem der international gesuchte Bruder eines der Selbstmordattentäter von Paris sich in Ostwestfalen aufhalten könnte. Im Visier standen eine Wohnung sowie ein Fahrzeug. Stundenlang waren mehrere Straßen abgeriegelt und im Laufe des Einsatzes wurden neun Menschen kontrolliert, darunter drei Kinder.
Lebt im Kreis Minden-Lübbecke nicht auch die Tochter von Margit Depenbusch? Hoffe, ihr ist nichts zugestoßen.
Bussi, Bussi!
Bis bald!
Dein Sohn


Meine Mutter lässt ein paar Tage verstreichen, ehe sie eine neue Nachricht verfasst:

Lieber Tom,
möchtest du eigentlich immer noch über Weihnachten an die Côte d'Azur fahren? Jetzt, wo es in Frankreich so gefährlich ist? Willst du über Weihnachten nicht doch lieber in deine westfälische Heimat kommen?


In meine westfälische Heimat? In meine westfälische Heimat, die sich im Fadenkreuz des Terrors befindet?
Hast du nicht gehört, was gestern in Beckum passiert ist? In Beckum im Kreis Warendorf hat eine Schülerin eine Brandgranate mit zum Unterricht gebracht und damit einen Einsatz des Kampfmittelräumdienstes ausgelöst. Und die Evakuierung des Gebäudes und die Absage eines Elternsprechtages verursacht.
Lebt in Beckum nicht auch der Sohn von Ingeborg Hülstorf? Hoffe, ihm ist nichts zugestoßen.


Meine Mutter schweigt für ein paar Wochen und meldet sich erst wieder an Heiligabend:

Lieber Tom,
ein frohes Weihnachtsfest wünsche ich dir. Hoffe, dir geht es gut in Frankreich. Bist du eigentlich allein dorthin gereist oder zusammen mit deinem Freund? Du solltest dich jedenfalls vor deinem Freund in Acht nehmen, weil er stammt doch aus Syrien. Vielleicht hat er Kontakt zum Islamischen Staat und will dich in die Luft sprengen.


Liebste Mutter,
mein Freund stammt nicht aus Syrien, sondern aus Zypern. Beide Ländernamen haben zwar sechs Buchstaben, von denen jeweils einer ein Y, einer ein R, einer ein E und einer ein N ist, ansonsten aber handelt es sich um zwei verschiedene Länder.
Und hast du schon gehört, dass die Tochter von Margit Depenbusch ihren Mann dazu zwingt, im Bett eine Burka zu tragen?

3. November 2015

Tod zweier Freibäder



Das BVG-Freibad in Berlin-Lichtenberg diente als Trainingsstätte für die Olympischen Spiele 1932 und 1936. Eine Wiederbelebung als Sommervolksbad erfolgte erst in den 70er Jahren. Seit Ende der 80er ist das Bad geschlossen.







Weiter östlich, in Kaulsdorf, befindet sich das Wernerbad, 1905 eröffnet als erstes Freibad Berlins und geschlossen seit 2002:



1. November 2015

Transitzonen

CDU und CSU möchten für neu ankommende Flüchtlinge Transitzonen einrichten, aus denen als unberechtigt eingestufte Asylbewerber sofort wieder abgeschoben werden sollen. Transitzone ist für dieses Vorhaben allerdings der falsche Begriff, denn Transitzone bedeutet Durchgangszone. Für das, was CDU und CSU beabsichtigen, existiert ein anderes Wort: Sackgasse.

25. Oktober 2015

Fliegerhorst Schönwalde



Im einem Wald nordwestlich von Berlin – zwischen Hennigsdorf, Bötzow und Schönwalde – versteckt sich ein ehemaliger Fliegerhorst, erbaut in den 1930er Jahren, bis Kriegsende genutzt von der deutschen Luftwaffe und von 1945 bis 1992 von der Sowjetarmee.







16. September 2015

Hollywood steht Kopf



Die Volksbühne stellt Hollywood auf den Kopf!

9. September 2015

Das explodierte Lama



Es war einmal in Westfalen. Im Westfalen meiner Kindheit waren ausländische Elemente gern gesehen in Form eines Eiscafés Venezia, einer Pizzeria Roma oder eines China-Restaurants Shanghai. Die Menschen fühlten sich weltgewandt, wenn sie einen Ouzo tranken oder eine ungarische Gulaschsuppe löffelten.

Und dann – 1989 – zogen Aliens in unsere Siedlung. Der Schilderung meiner Eltern nach musste es sich bei der Familie, die gerade drei Häuser weiter eingezogen war, um eine Klingonenfamilie handeln. Neugierig drückte ich mich nahe ihrer Terrasse herum und stellte fest, dass es sich nicht um Klingonen handelte, sondern um DDR-Bürger.

"Und unten an der Straßenecke, da lauern die Russen!" behauptete mein Vater. Ich konfrontierte ihn mit der Aussage von Peter, dem Sohn der Russen, der mir erklärt hatte, dass er zwar in der Sowjetunion geboren sei, seine Familie aber deutsche Vorfahren habe. Worauf mein Vater erwiderte, dass es – um nach Deutschland kommen zu können – doch schon ausreiche, mal einen Deutschen Schäferhund gehabt zu haben.

Wenn es bloß eines Schäferhundes bedarf, um sich in Deutschland niederlassen zu können, warum hat das dann bisher niemand den derzeit zu uns strömenden Flüchtlingen gesagt?

Vom Schäferhund schweife ich nun zu einem anderen Tier. Das andere Tier hieß Yvonne. Yvonne war die Tochter von Freunden meiner Eltern – ein Mädchen, welches gern eine weiße Kunstfelljacke trug, in der es aussah wie ein explodiertes Lama. Ich mochte die Jacke nicht. Yvonne ihrerseits mochte Abdul nicht, einen libanesischen Jungen aus unserer Kindergartengruppe. Auf einem Gruppenfoto hat Yvonne Abduls Gesicht mit einem schwarzen Filzstift übermalt.

Ihre Mutter war entsetzt. Aber nicht ganz so entsetzt wie an dem Tag, als ich es gewagt habe, Yvonne zu gestehen, dass ich ihre Jacke nicht mag.

Ohne Jacke – es ist Sommer – radele ich Jahrzehnte später als Stadtführer mit einer Gruppe neureicher Westfalen durch Kreuzberg. Im Görlitzer Park sehen wir viele türkische Familien beim Grillen. Ein Mann aus meiner Touristengruppe deutet auf die Grillenden und äußert, dass er die da gern mal grillen würde.

Der Mann will Menschen grillen? Ist dieser Westfale etwa vom Katholizismus zum Kannibalismus konvertiert?

Es ist an der Zeit, dass Bibi Blocksberg herbeifliegt und eine kleine Bühne in den Görlitzer Park zaubert; ich trete an das Mikrofon und rezitiere einen meiner Poetry Slam-Texte, der mit den Worten endet: “… und wenn du an deinem Hass nicht gestorben bist, so hasst du noch heute.”

19. August 2015

Bloß zwei Buchstaben von Brüssel entfernt



Eben noch irgendwo in Brandenburg und nun muss ich bloß noch zwei Buchstaben austauschen und ich bin in Brüssel!

17. August 2015

Moos Street Art



Eine mir bislang nicht bekannte Variante von Street Art: Moos an Wände kleben!

16. August 2015

Es fährt kein Zug nach Nirgendwo



Spandau, ehem. S-Bahnhof Siemensstadt

23. Mai 2015

6. März 2015

Heidi auf Hawaii



Seit kurzem arbeite ich in der Filmbranche, als Assistent eines Assistenten. Es ist Vormittag, es ist viel Kaffee und es ist Meeting. Es wird diskutiert über eine zeitgemäße Neuverfilmung von Heidi.

Heidi soll auf Hawaii spielen. Des Alm-Öhis Hütte steht dann nicht mehr in den Schweizer Alpen, sondern auf einem hawaiianischen Vulkan. Tante Dete, eine Bitch, die lieber in Hollywood Karriere machen will, hat dem Alm-Öhi die kleine Heidi durch die Tür geschoben und nun sitzt der griesgrämige Alte da mit seiner energiegeladenen Enkelin, die unbedingt eine große Surferin werden will.

Und Ziegenpeter? – Auf Hawaii kümmert sich Ziegenpeter nicht um Ziegen, sondern er ist ein Surfkumpel von Heidi, der sich besonders gut mit Delfinen versteht. Delfinpeter sozusagen.

Im Meeting entbrennt ein Streit darüber, wie sich Klara und Fräulein Rottenmeier in die Neuverfilmung einbauen ließen. Anstatt sich auf eine Variante zu einigen, wird bald die Idee favourisiert, Heidi nicht auf Hawaii, sondern besser in Kalifornien – zum Beispiel in San Francisco – spielen zu lassen.

Und in San Francisco, einer der homofreundlichsten Städte der Welt, erlebt Heidi ihr lesbisches Coming-Out und verliebt sich in Klara. Klara stammt – im Gegensatz zum Original – nicht aus Frankfurt am Main, sondern aus einem Kaff namens Frankfort, Ohio. Dort hat sie es nicht mehr ausgehalten und ist nach San Francisco durchgebrannt. Ihr auf den Fersen ist Fräulein Rottenmeier, eine religiöse Fanatikerin, die glaubt, Klara von ihrer Homosexualität heilen zu können.

Und Ziegenpeter ist Heidis bester schwuler Freund und mangels Ziegen widmet sich Ziegenpeter stattdessen homosexuellen Männern, aber nur solchen, die einen Ziegenbart tragen.

Allerdings hat niemand im Meeting einen Vorschlag, wie der Alm-Öhi in das Setting eingebunden werden könnte. Woraufhin ich vorschlage, die neue Heidi doch in Rio de Janeiro anzusiedeln. Dann stünde die Hütte des Alm-Öhis auf dem Zuckerhut und Heidi wäre eine aufstrebende Sambatänzerin. Ziegenpeter ist ihr Choreograph. Und Klara sitzt – wie im Original – im Rollstuhl, und ihr größter Traum ist es, einmal beim Karneval mitzutanzen.

Und Fräulein Rottenmeier? – Die hat sich 1945 mit ihrem Gatten, einem hochrangigen Nazi, nach Brasilien abgesetzt und hält Samba für entartete Kunst.

Heidi an der Copacabana. Heidi auf Hawaii. Heidi auf der Golden Gate Bridge. Heidi am Kilimanjaro. Heidi im Himalaya. Heidi im Vatikan. Heidi beim Eurovision Song Contest. Heidi bei Heidi Klums Germany's Next Topmodel, mit Heidi Klum als Fräulein Rottenmeier und Wolfgang Joop als Alm-Öhi. Oder mit Heidi Klum als Alm-Öhi und Wolfgang Joop als Fräulein Rottenmeier. Und der Produzent verlangt, dass wir auch noch Helene Fischer integrieren.

Es war Vormittag, es war viel Kaffee und es war Meeting.

12. Februar 2015

Σάουντρακ κρίσης (Soundtrack zur Krise)



Griechenland ist nicht nur Krise, sondern auch Musik. Lasst Άννα Βίσση (Anna Vissi) nach Brüssel fliegen und sie folgendes Lied singen: Ας κάνουμε απόψε μιαν αρχή (Lass uns heute Abend einen Anfang machen). Mit diesem Lied gewann Άννα Βίσση bereits 1977 das Φεστιβάλ Τραγουδιού Θεσσαλονίκης (Thessaloniki Song Festival) und legte damit den Grundstein für ihre bis heute andauernde Karriere. Ihre Spannweite reicht von traditionell klingenden Meldodien bis hin zu zeitgenössischen Discobeats wie in Call Me aus dem Jahr 2003.

Wenn die Winde der Krise besonders hoch peitschen, empfiehle ich Ανεμοδαρμένα ύψη (Sturmhöhe) von Καίτη Γαρμπή (Keti Garbi), veröffentlicht 2013. Und um einen Lichtstrahl am Ende des Tunnels zu sehen, höre dir jenes Lied an, mit dem Καίτη Γαρμπή 1993 beim Eurovision Song Contest antrat: Ελλάδα, χώρα του φωτός (Griechenland, Land des Lichts).

Stammtischpolitiker haben es schon immer gewusst: Griechenland steckt bloß deswegen in der Krise steckt, weil dort Alkohol für umme ausgeschenkt wird. Alkohol is free - diesen Titel sang die Ska-Band Koza Mostra, unterstützt von dem Volksmusiksänger Αγάθωνας Ιακωβίδης (Agathonas Iakovidis), beim Eurovision Song Contest 2013. Und für den Fall, dass jemand durchdreht, haben Koza Mostra noch dies im Programm: Με τρέλα (Mit Wahnsinn).

Die Hip-Hop Band Stavento kooperiert gern mit Sängerinnen aus den Genres Pop und Dance. Mit Έλενα Παπαρίζου (Helena Paparizou), ESC-Gewinnerin 2005, wurde im vorletzten Jahr Στην άκρη του κόσμου (Am Ende der Welt) aufgenommen. Griechenland allerdings ist nicht irgendein Konstrukt am Ende der Welt, sondern lässt sich in nahezu jeder deutschen Stadt auch kulinarisch erfahren; selbst in Frankfurt (Oder) gibt es ein griechisches Restaurant! Esst Moussaka und tanzt Sirtaki bis der Morgen kommt und dann ist die Zeit reif für dieses Lied von Stavento feat. Ήβη Αδάμου (Ivi Adamou): Σαν έρθει η μέρα (Wenn der Morgen kommt).

In dieser subjektiven, nicht auf Vollständigkeit angelegten Auflistung, soll eine Sängerin nicht fehlen: Δέσποινα Βανδή (Despina Vandi), die George Michael Griechenlands. Analog zu George Michaels Last Christmas sang Δέσποινα Βανδή das populärste griechische neuzeitliche Weihnachtslied: Χριστούγεννα (Weihnachten). Δέσποινα Βανδή wurde 1969 in Tübingen geboren; als sie sechs Jahre alt war, ging die Familie zurück nach Griechenland. Und seit den 90ern ist sie eine bekannte Größe im Musikgeschäft. Für den Soundtrack zur Krise habe ich eine ihrer letzten Singles ausgewählt: Όλα aλλάζουν (Alles verändert sich).

5. Januar 2015

Bärgida

Wenn eine Tageszeitung mich nicht aufgeklärt hätte, würde ich immer noch denken, bei "Bärgida" handle es sich um ein neues Internetportal für Bären (haarige schwule Männer). Tatsächlich aber ist "Bärgida" der Berliner Ableger von "Pegida". Ich lege die Zeitung beiseite und erwäge, eine Kampagne namens "Kotzgida" (kurz für: "Kotzen gegen islamophobe Deppenaffen") zu starten. Mein verkaterter Mitbewohner schaut mich überrascht an; statt "Kotzgida" hat er "Kotz, Guido!" verstanden und er kotzt über den Frühstückstisch.

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