16. September 2015

Hollywood steht Kopf



Die Volksbühne stellt Hollywood auf den Kopf!

9. September 2015

Das explodierte Lama



Es war einmal in Westfalen. Im Westfalen meiner Kindheit waren ausländische Elemente gern gesehen in Form eines Eiscafés Venezia, einer Pizzeria Roma oder eines China-Restaurants Shanghai. Die Menschen fühlten sich weltgewandt, wenn sie einen Ouzo tranken oder eine ungarische Gulaschsuppe löffelten.

Und dann – 1989 – zogen Aliens in unsere Siedlung. Der Schilderung meiner Eltern nach musste es sich bei der Familie, die gerade drei Häuser weiter eingezogen war, um eine Klingonenfamilie handeln. Neugierig drückte ich mich nahe ihrer Terrasse herum und stellte fest, dass es sich nicht um Klingonen handelte, sondern um DDR-Bürger.

"Und unten an der Straßenecke, da lauern die Russen!" behauptete mein Vater. Ich konfrontierte ihn mit der Aussage von Peter, dem Sohn der Russen, der mir erklärt hatte, dass er zwar in der Sowjetunion geboren sei, seine Familie aber deutsche Vorfahren habe. Worauf mein Vater erwiderte, dass es – um nach Deutschland kommen zu können – doch schon ausreiche, mal einen Deutschen Schäferhund gehabt zu haben.

Wenn es bloß eines Schäferhundes bedarf, um sich in Deutschland niederlassen zu können, warum hat das dann bisher niemand den derzeit zu uns strömenden Flüchtlingen gesagt?

Vom Schäferhund schweife ich nun zu einem anderen Tier. Das andere Tier hieß Yvonne. Yvonne war die Tochter von Freunden meiner Eltern – ein Mädchen, welches gern eine weiße Kunstfelljacke trug, in der es aussah wie ein explodiertes Lama. Ich mochte die Jacke nicht. Yvonne ihrerseits mochte Abdul nicht, einen libanesischen Jungen aus unserer Kindergartengruppe. Auf einem Gruppenfoto hat Yvonne Abduls Gesicht mit einem schwarzen Filzstift übermalt.

Ihre Mutter war entsetzt. Aber nicht ganz so entsetzt wie an dem Tag, als ich es gewagt habe, Yvonne zu gestehen, dass ich ihre Jacke nicht mag.

Ohne Jacke – es ist Sommer – radele ich Jahrzehnte später als Stadtführer mit einer Gruppe neureicher Westfalen durch Kreuzberg. Im Görlitzer Park sehen wir viele türkische Familien beim Grillen. Ein Mann aus meiner Touristengruppe deutet auf die Grillenden und äußert, dass er die da gern mal grillen würde.

Der Mann will Menschen grillen? Ist dieser Westfale etwa vom Katholizismus zum Kannibalismus konvertiert?

Es ist an der Zeit, dass Bibi Blocksberg herbeifliegt und eine kleine Bühne in den Görlitzer Park zaubert; ich trete an das Mikrofon und rezitiere einen meiner Poetry Slam-Texte, der mit den Worten endet: “… und wenn du an deinem Hass nicht gestorben bist, so hasst du noch heute.”