29. Januar 2017

Mittelfelder Kurier #5: Tante Emma 2.0



Inspiriert von einem Berlin-Trip hat Emma Schmitz ihren Gemischtwarenladen umgestaltet. Vorn im Laden gibt es nun eine Sofaecke zum Getränke konsumieren. Damit, so die Ladenbesitzerin, wolle sie die Lücke schließen, die durch den Niedergang jeglicher lokaler Gastronomie entstanden sei. Aus den Lautsprechern erklingt elektronische Musik und ein bislang ungenutztes Hinterzimmer möchte Emma Schmitz künftig via Airbnb an Touristen vermieten.

Die Reaktionen auf die Neuerungen fallen unterschiedlich aus. Der Pfarrer der katholischen Gemeinde St. Agnes, Winfried Hagemann, bezeichnet die neue Version des Tante-Emma-Ladens als weiteres Indiz für Mittelfelds zunehmenden Sittenverfall.

Die Lehrerin Dorit Kersting hingegen ist begeistert und möchte im Laden gern Konzerte und Lesungen veranstalten und auch Vorträge über vegane Ernährung halten. Und Dorit Kerstings Mitbewohner, Amir Barakat, einziger in Mittelfeld ansässiger Geflüchteter, freut sich, dass es im Ort endlich einen Club gibt. Er nennt Emma Schmitz’ Laden das Berghain von Mittelfeld.

Bokels Familie gefährdet sei. Handelte es sich bei dem ersten Interessenten, der in dem Hinterzimmer übernachten wollte, doch um Marianne Bokels Vater, Dietrich Bokel, der aus dem Seniorenheim ausgebüxt war, mit der Begründung, seine Tochter sei unerträglich dumm und wisse nicht, von wann bis wann Fidel Castro Reichskanzler war.


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23. Januar 2017

Twitterkratie

Twit|ter|kra|tie (die) (engl./griech.) Herrschaftsform, in der Regierende mit dem Volk über Mikrobloggingdienste kommunizieren

22. Januar 2017

20. Januar 2017

So feiert Abraham Lincoln Donald Trumps Amtseinführung



Ex-Präsident Abraham Lincoln feiert die Amtseinführung des neuen Präsidenten Donald Trump nicht in Washington, sondern an einem Backsteinpfeiler in Berlin-Schöneberg.

18. Januar 2017

Mittelfelder Kurier #4: Die Alten wandern ab



Während es andernorts die jungen Leute sind, die ländliche Regionen verlassen, sind es in Mittelfeld die alten Menschen, die abwandern.

Wenn ich in ein paar Jahren zum letzten Mal meinen Laden abgeschlossen hab, ziehe ich gleich tags drauf nach Göttingen oder Kassel oder gar nach Berlin, sagt Emma Schmitz, Besitzerin von Mittelfelds Gemischtwarenladen. Wenn ich nicht weggehe, lande ich am Ende noch bei der Bokel im Altenheim, bei der Bokel, dieser Nazischickse.

Marianne Bokel räumt in einem Telefonat mit dem Mittelfelder Kurier ein, in ihrem Seniorenheim Nachwuchsprobleme zu haben. Diese blöde Schmitz, diese ignorante Tante Emma vom Gemischtwarenladen, ist nicht die Einzige, die abhauen will, berichtet Marianne Bokel. Und wenn die Alten nicht bis zum Tod in Mittelfeld blieben, beschädige dies die hiesige Wirtschaftsordnung. Aufgrund der ungenutzten Heimplätze habe ich bereits eine Mitarbeiterin entlassen müssen, beklagt sich Marianne Bokel.

Und auch ihre Nichte Marion Bokel, Chefin des ortsansässigen Bestattungsunternehmens, fühlt sich von der sinkenden Seniorenzahl negativ betroffen. Zitat Marion Bokel: Erst bleiben die Seniorenheimzimmer leer und dann die Särge.

Im Kontrast dazu verzeichnet Winfried Hagemann, Pfarrer der katholischen Gemeinde St. Agnes, keinen Rückgang an gefüllten Särgen. Die Zahl der Beerdigungen liege in seiner Gemeinde genauso wie die Summe der Gemeindemitglieder seit Jahren konstant bei Null.


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6. Januar 2017

Mittelfelder Kurier #3: Ost oder West?



Eine Frage, die unsere Leserschaft umtreibt, lautet: Liegt Mittelfeld im Osten oder Westen Deutschlands? – Der Mittelfelder Kurier hat sich auf Recherche begeben.

Zuerst treffen wir Winfried Hagemann, Pfarrer der katholischen Gemeinde St. Agnes. Er bittet uns zum Interview in den Beichtstuhl, für den er aus Mangel an Gemeindemitgliedern sonst keine Verwendung hat. Der Pfarrer berichtet, momentan intensiv der Frage nachzugehen, welchem Bistum eigentlich seine Gemeinde angehört, weswegen ihm für solch weltliche Fragen wie nach Ost oder West die Kapazität fehle.

Unsere nächste Gesprächspartnerin ist Dorit Kersting. Die frisch mit dem Mittelfelder Gutmensch-Award ausgezeichnete Lehrerin sollte es als Bildungsvermittlerin doch wissen: Ost oder West, Frau Kersting? – Die Mittdreißigerin winkt ab. Ich mag nicht in Labels denken, sagt sie. Ost oder West, Nord oder Süd – mit solchen Einordnungen befasse ich mich nicht. Am Ende des Gesprächs aber lässt sie sich immerhin zu dem Statement hinreißen, dass Mittelfeld vermutlich in der Mitte Deutschlands zu verorten sei.

Im Anschluss haben wir einen Termin bei Marianne Bokel, der Leiterin des örtlichen Seniorenheims. Frau Bokel, die Alten um Sie herum, die meist ihr ganzes Leben in Mittelfeld verbracht haben, müssten den Ort doch ohne zu zögern dem Osten oder dem Westen zuweisen können. – Marianne Bokel schüttelt den Kopf. Da erwarten Sie zu viel von unseren Bewohnern, meint sie und stellt uns ihren fast 90-jährigen Vater Dietrich Bokel vor, der einst Bürgermeister von Mittelfeld war, politisch weit rechtsaußen gekickt hat, heute aber nicht mehr Adolf Hitler von Fidel Castro unterscheiden kann.

Nach dem Seniorenheim besuchen wir den Gemischtwarenladen von Emma Schmitz, die von den Kunden liebevoll Tante Emma genannt wird. Nach sieben Schnäpsen räumt sie ein, als IM Mittelfeldspielerin für die Stasi gespitzelt zu haben. Aber als IM war ich doch nicht in alles eingeweiht, sagt Tante Emma. Die Oberen hätten niemals durchblicken lassen, ob Mittelfeld im Osten und Westen läge.

Draußen vorm Laden begegnet uns Amir Barakat, Mittelfelds erster und bislang einziger Asylbewerber. Exklusiv fragen wir den Neubürger nach seiner Einschätzung: Befindet sich Mittelfeld im Osten oder Westen? – Der junge Mann antwortet, dass er Ostern besser findet als Western.


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2. Januar 2017

Mittelfelder Kurier #2: Nafri-Kontrollen in Mittelfeld



Wie erst heute bekannt wurde, wurden in der Silvesternacht auch in Mittelfeld nordafrikanisch aussehende Männer kontrolliert. Die Kontrollen wurden allerdings nicht wie in Köln von der Polizei durchgeführt, sondern von der Mittelfelder Gefahrenabwehr (MGA), einer erst kürzlich gegründeten Bürgerwehr.

Die Polizei zeigt in Mittelfeld ja nur selten Präsenz, klagt Marianne Bokel, Betreiberin des örtlichen Seniorenwohnheims und Generälin der Bürgerwehr. Und wenn die Polizei versagt, müssen wir uns halt selbst schützen.

Gemeinsam mit ihrer Nichte Marion Bokel, Chefin des örtlichen Bestattungsunternehmens, patrouillierte Marianne Bokel an Silvester durch die Straßen Mittelfelds.

Gegen 23 Uhr dann sichteten die beiden Damen einen ihrer Einschätzung nach nordafrikanisch aussehenden Mann in Begleitung einer blonden Frau.

Wir haben sofort um die Sicherheit der blonden Frau gebangt, berichtet Marion Bokel.

Wie sich alsbald herausstellte, handelte es sich bei dem Mann jedoch nicht um einen Nordafrikaner, sondern um den Syrer Amir Barakat, den einzigen in Mittelfeld ansässigen Geflüchteten. Und bei der blonden Frau handelte es sich nicht um eine Frau, sondern um den deutschen Staatsbürger Dirk Kröger, der sich anlässlich einer Silvesterparty als Frau verkleidet hatte.


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